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10 Millimeter Niederschlag – wie viel Schnee ist das wirklich? Warum aus gleich viel Wasser 5 oder 30 Zentimeter werden können

Eine der häufigsten Fragen bei Schneefall lautet: Wenn 10 Millimeter Niederschlag angekündigt sind, wie viel Schnee ergibt das? Die kurze Antwort: Es gibt keinen festen Umrechnungsfaktor. Zehn Millimeter Niederschlag entsprechen zehn Litern Wasser pro Quadratmeter. Wie hoch die daraus entstehende Schneedecke wird, hängt vor allem von der Dichte des Neuschnees ab.

Die bekannte 10:1-Regel

Die klassische Faustregel lautet: Ein Teil Wasser ergibt ungefähr zehn Teile Schnee. Bei einem Verhältnis von 10:1 würden 10 mm Wasseräquivalent etwa 10 cm Neuschnee ergeben. Der amerikanische Wetterdienst NWS betont jedoch ausdrücklich, dass diese Regel häufig nicht stimmt und das Verhältnis während eines einzigen Schneefallereignisses stark schwanken kann.

Nasser Schnee: aus 10 mm können nur rund 5 cm werden

Nahe 0 °C enthalten Schneeflocken häufig viel Wasser und sind dicht und schwer. Bei einem Verhältnis um 5:1 entsprechen 10 mm Niederschlag nur ungefähr 5 cm Neuschnee. Solcher Schnee klebt stark, belastet Bäume und Leitungen und setzt sich schnell.

Typischer Neuschnee: etwa 10 bis 15 cm

Bei mässig kalter Luft sind Verhältnisse um 10:1 bis 15:1 häufig. Aus 10 mm Wasser werden dann ungefähr 10 bis 15 cm Schnee. Ein NWS-Schulungspapier nennt beispielsweise 10:1 bei ungefähr -1 °C und höhere Verhältnisse bei tieferen Temperaturen als grobe Orientierung – aber ausdrücklich nicht als starre Regel.

Trockener Pulverschnee: 20 bis 30 cm sind möglich

Bei sehr kalter, trockener Luft können lockere, stark verzweigte Kristalle entstehen. Verhältnisse von 20:1 oder noch höher sind möglich. Dann können aus 10 mm Wasseräquivalent 20 cm oder mehr lockerer Pulverschnee entstehen. Extrem hohe Werte kommen vor, sind aber nicht der Normalfall.

Temperatur allein reicht nicht

Entscheidend ist nicht nur die Temperatur am Boden. Wichtig ist das gesamte Temperaturprofil vom Boden bis in die Schneewolke. Dazu kommen Feuchtigkeit, Auf- und Abwinde, Wind und die Kristallform. Kräftiger Wind kann die filigranen Flocken zerbrechen und den Schnee dichter packen. Das SLF berücksichtigt bei der Modellierung der Neuschneedichte unter anderem Lufttemperatur, Schneetemperatur, relative Feuchte, Wind und Höhenlage.

Warum am Boden weniger liegen kann

Ist der Boden noch warm, kann ein Teil des Schnees beim Auftreffen schmelzen. Aus 10 mm Niederschlag kann deshalb selbst bei durchgehendem Schneefall deutlich weniger messbarer Neuschnee entstehen. Umgekehrt kann kalter Untergrund die Akkumulation begünstigen. Auch Setzung beginnt praktisch sofort: Lockerschnee verliert bereits während und kurz nach dem Schneefall an Höhe.

Die praktische Rechnung

10 mm Wasseräquivalent entsprechen bei 5:1 ungefähr 5 cm nassem Schnee, bei 10:1 rund 10 cm, bei 15:1 etwa 15 cm und bei 20:1 ungefähr 20 cm Pulverschnee. Deshalb ist die Niederschlagsmenge allein nie ausreichend, um eine seriöse Schneehöhenprognose zu machen.