Schnee in den Schweizer Alpen: kaltes Wochenende, danach wieder milder
Weisse Gipfel und ein winterliches Bergdorf sind Anfang November zwei verschiedene Dinge. Die kommenden Tage zeigen diesen Unterschied besonders deutlich: Während es auf hohen Pässen und im Hochgebirge frostig wird, bleiben die Tageshöchstwerte in mehreren bekannten Ferienorten über null. Zudem fällt die kälteste Phase nicht überall mit nennenswertem Niederschlag zusammen. Für den Aufbau einer Schneedecke ist aber genau dieses Zusammentreffen entscheidend.
Der Ausblick reicht vom Freitag, 6. November, bis Samstag, 21. November. Für die erste Woche liefern die Alpha-Weather-Prognosen an elf Orten ein Bild von den Walliser Hochalpen bis zur Alpensüdseite und nach Graubünden. Für die anschliessenden Tage ergänzt die amtliche Monatstendenz die Einordnung. Im Mittelpunkt stehen die Höhenunterschiede und der Wechsel zwischen kalten und milden Abschnitten.
6. bis 8. November: Frost und örtliche Schneechancen auf hohen Pässen
Am Säntis sind am Freitag Schnee oder Schneeregen möglich. Für Samstag wird am Berninapass leichter Schneefall erwartet, am Flüelapass kommen ebenfalls Schnee oder Schneeregen infrage. Damit richtet sich der Blick vor allem auf die höher gelegenen Übergänge. Ob daraus eine weisse Auflage entsteht und wie lange sie erhalten bleibt, hängt auch vom Untergrund und von den Temperaturen nach dem Niederschlag ab. Im Tal kann sich derselbe Wetterabschnitt deutlich weniger winterlich zeigen.
Die Kälte verstärkt sich am Wochenende vor allem in der Höhe. Am Flüelapass liegen die prognostizierten Höchstwerte am Samstag und Sonntag bei minus 2 Grad, am Berninapass bei minus 1 beziehungsweise minus 2 Grad. Gleichzeitig wird der Sonntag an diesen Punkten freundlicher beschrieben. Wer auf einen grösseren Schneezuwachs wartet, sollte deshalb Kälte und Niederschlag gemeinsam betrachten: Ein frostiger Tag allein bringt noch keinen neuen Schnee.
Wallis: in Saas-Fee tagsüber Plusgrade, oben zunächst Dauerfrost
Im Wallis macht der Vergleich zwischen Saas-Fee und Gornergrat den Höhenunterschied sichtbar. Für den Prognosepunkt in Saas-Fee auf 1800 Metern werden am Samstag 3 Grad als Tagesmaximum und minus 1 Grad als Minimum erwartet. Am Sonntag sind es 4 und minus 2 Grad. Damit ist vorübergehender Frost möglich; Dauerfrost ist für Saas-Fee jedoch nicht angezeigt. Bis Donnerstag, 12. November, steigt das Maximum auf 9 Grad.
Am Gornergrat fällt die Temperaturkurve zunächst deutlich winterlicher aus: Für beide Wochenendtage stehen minus 3 Grad als Maximum, für Samstag minus 7 und für Sonntag minus 8 Grad als Minimum. Anschliessend bewegen sich die Höchstwerte um den Gefrierpunkt. Das begünstigt den Erhalt vorhandenen Schnees in der Höhe stärker als im Dorf. Für den weiteren Aufbau zählt neben diesen kalten Bedingungen auch der Nachschub: Nennenswerte Zuwächse entstehen erst, wenn während einer Schneephase genügend Niederschlag fällt.
Zum Bergwetter gehört dort auch der Wind: Für Mittwoch und Donnerstag werden am Gornergrat Böen bis etwa 70 km/h erwartet. An exponierten Stellen können die Bedingungen dadurch anspruchsvoll werden. Wind und Temperaturentwicklung gehören deshalb bei der Einordnung dieser hochalpinen Tage zusammen.
Berner Hochalpen: selbst die mildere Phase bleibt frostig
Am Prognosepunkt Jungfraujoch hält der Frost während der gesamten dargestellten Woche an. Der Sonntag fällt mit einem Maximum von minus 8 Grad und einem Minimum von minus 9 Grad besonders kalt aus. Bis Dienstag steigt das Maximum auf minus 2 Grad; auch am Donnerstag werden minus 2 Grad erwartet. Es wird also milder, ohne dass dieser hochalpine Punkt in den Plusbereich gerät.
Für die Berner Alpen ist das eine wichtige Unterscheidung: Die Erwärmung mildert die Kälte in den höchsten Lagen, während die Temperaturen dort weiterhin unter dem Gefrierpunkt bleiben. Für vorhandenen Schnee sind das günstigere Bedingungen als an tiefer gelegenen Standorten mit positiven Tageshöchstwerten.
Zentralschweiz: am Gotthard kälter als in Andermatt
In Andermatt bleiben die prognostizierten Tageshöchstwerte vom 6. bis 12. November durchgehend positiv. Am Sonntag werden 5 Grad erwartet, bis Donnerstag 11 Grad. Auch die ausgewiesenen Minima liegen über null. Für Freitag und Dienstag nennt die Tagesbeschreibung Regen. Das spricht auf Dorfhöhe eher für nasse Unterbrüche als für den Aufbau einer dauerhaften natürlichen Schneedecke.
Am Gotthardpass liegt das Tagesmaximum dagegen von Freitag bis Montag bei 0 Grad oder knapp darunter. Der Sonntag erreicht minus 1 Grad, bei einem Minimum von minus 4 Grad. Danach geht es aufwärts: Für Mittwoch stehen 4 Grad, für Donnerstag 6 Grad im Verlauf. Am Klausenpass zeigt sich ein ähnlicher Wechsel vom kühleren Wochenende zu deutlich milderen Tagen. Ab Dienstag werden dort Maxima von 8 Grad und auch positive Minima erwartet. Die Höhe allein liefert dennoch keine überall gültige Schneefallgrenze.
Graubünden: Davos und die Passhöhen entwickeln sich unterschiedlich
In Davos reicht die Abkühlung am Wochenende für prognostizierte Tageshöchstwerte von 5 bis 6 Grad; das Sonntagsminimum liegt bei 1 Grad. Am Mittwoch steigt das Maximum bereits wieder auf 12 Grad. Die Tage bleiben damit deutlich milder als an den höher gelegenen Übergängen. Für den Schneeaufbau im Ort ist die anschliessende Rückkehr noch höherer Temperaturen ungünstig.
Am Berninapass hält sich die kalte Phase bis Montag länger: Nach dem frostigen Wochenende erreicht das Maximum zunächst 0 Grad, anschliessend 2 bis 3 Grad. Am Flüelapass wird für Dienstag nochmals leichter Schneefall, für Donnerstag Regen und Schnee erwartet. Das deutet auf wechselnde Niederschlagsformen hin. Die laufende Ortsprognose für den Flüelapass ist deshalb gerade für die zeitliche Einordnung hilfreicher als eine pauschale Schneeankündigung für ganz Graubünden.
Alpensüdseite: in Airolo bleibt es vergleichsweise mild
Für Airolo liegen sämtliche ausgewiesenen Tagesmaxima und Minima bis 12. November über dem Gefrierpunkt. Am Sonntag stehen 5 Grad als Maximum und 1 Grad als Minimum in der Prognose, am Donnerstag 11 und 7 Grad. Das ist kein ausgeprägtes Kältesignal für den Ort. Zusammen mit dem benachbarten Gotthardpass zeigt sich, wie stark sich Tal- und Passlagen unterscheiden können. Ob Niederschlag in einer bestimmten Höhenstufe tatsächlich als Schnee ankommt, hängt zusätzlich vom Verlauf während des Ereignisses ab.
Temperaturverlauf an ausgewählten Alpha-Prognosepunkten
Prognostizierte Tageshöchst- / Tagestiefstwerte in °C. Die Höhenangaben gehören zu den dargestellten Alpha-Wetterpunkten; es handelt sich nicht um aktuelle Messungen. Die drei Tage zeigen die Abkühlung am Wochenende und die anschliessende Erwärmung.
| Alpha-Prognosepunkt | Höhe | Sa, 7.11. | So, 8.11. | Do, 12.11. |
|---|---|---|---|---|
| Saas-Fee | 1800 m | 3 / -1 | 4 / -2 | 9 / 3 |
| Gornergrat | 3135 m | -3 / -7 | -3 / -8 | 0 / -1 |
| Jungfraujoch | 3471 m | -6 / -9 | -8 / -9 | -2 / -4 |
| Andermatt | 1441 m | 5 / 1 | 5 / 1 | 11 / 7 |
| Klausenpass | 1980 m | 1 / -1 | 3 / -2 | 8 / 4 |
| Gotthardpass | 2106 m | 0 / -2 | -1 / -4 | 6 / 2 |
| Airolo | 1162 m | 7 / 1 | 5 / 1 | 11 / 7 |
| Davos | 1560 m | 5 / 1 | 6 / 1 | 9 / 5 |
| Flüelapass | 2383 m | -2 / -4 | -2 / -6 | 3 / 0 |
| Berninapass | 2235 m | -1 / -3 | -2 / -6 | 3 / 2 |
| Säntis | 2502 m | -1 / -3 | 0 / -4 | 5 / 0 |
9. bis 12. November: steigende Temperaturen begrenzen den Schneeaufbau
Über mehrere Regionen hinweg fällt die Erwärmung nach dem Wochenende auf. Besonders anschaulich ist der Säntis: Auf ein Samstagsmaximum von minus 1 Grad folgen für Mittwoch und Donnerstag jeweils 5 Grad. Auch Gotthard, Klausenpass und die Bündner Passpunkte werden milder. Für eine dünne Schneeschicht kann eine solche Folge empfindlich sein, vor allem wenn positive Temperaturen bis in die Nacht anhalten.
Eine Schneedecke reagiert allerdings nicht überall gleich. Mächtigkeit, Untergrund, Hangrichtung und Sonneneinstrahlung beeinflussen, wie viel erhalten bleibt. Die mildere Luft trifft deshalb auf sehr unterschiedliche Ausgangslagen: Eine dünne Auflage auf warmem Boden wird stärker beansprucht als eine bereits mächtige Schneedecke. Entscheidend ist nun, wie lange sich die milde Phase hält und ob weitere Niederschläge folgen.
13. bis 21. November: zunächst milder Einfluss, später Hochdrucktendenz
Für den späteren Teil des Ausblicks dient das amtliche Trockenheitsbulletin vom 5. November als zusätzliche Grundlage. Seine Wetterprognose beschreibt die erste Novemberhälfte mit überwiegend milden, zeitweise feuchten Südwestströmungen. Mehr Niederschlag wird dabei im Westen und Nordwesten sowie auf der Alpensüdseite erwartet als in den zentralen und östlichen Alpen. Für weiteren Schnee kommt es dabei besonders auf die Höhenlage und auf die Temperatur während der Niederschlagsphasen an.
Für die zweite Monatshälfte deutet der amtliche Ausblick wieder auf stabilere Hochdruckbedingungen; wann dieser Übergang erfolgt, ist noch unsicher. Für die Alpen würde das ruhigere Abschnitte und weniger Gelegenheiten für neuen Schnee bedeuten. Bis 21. November bleibt damit vor allem die Abfolge entscheidend: Feuchte Phasen können oben Nachschub bringen, anschliessende Wärme kann einen Teil davon wieder aufzehren. Ein flächiger Winterstart ist in dieser Entwicklung noch nicht absehbar.
Für den Winterstart zählt, was nach dem Schneefall geschieht
Der aussagekräftigste Blick gilt damit der Abfolge: zuerst Niederschlag, dann die Temperaturen der folgenden Tage. Für einen länger anhaltenden Aufbau braucht es genügend Schnee und Bedingungen, unter denen er nicht rasch wieder verloren geht. Die jetzigen Ortsprognosen zeigen diese Kombination nicht gleichermassen für alle Höhenlagen. Besonders zwischen Bergdörfern und Hochgebirge bleibt der Unterschied gross.
Auch eine frostige Nacht im Tal ist kein Beleg für kalte Luft auf allen Bergen. Warum das bei stabilen Wetterlagen wichtig wird, erklärt unser Beitrag über Inversionen, kalten Untergrund und den Winterstart. Für den Wintersport kommt es ausserdem auf die vorhandene Schneedecke und die Bedingungen am jeweiligen Berg an; Pistenöffnungen und Tourenverhältnisse werden vor Ort beurteilt.
Die Toni-Wetterwelt ergänzt den Blick auf die Berge
Für eine Bergreise beginnt das Wetter nicht erst am Gipfel. Die zusammengehörenden Toni-Portale ergänzen deshalb den Schneeblick: WetterToni Schweiz begleitet die Entwicklung im ganzen Land, Ortswetter richtet den Blick auf den konkreten Aufenthaltsort und Sturmwarnung auf Wind und Unwetter. Wer Wetterlagen entlang des Alpenbogens verfolgt, findet bei WetterToni Deutschland und WetterToni Österreich die nördlichen und östlichen Nachbarregionen, bei MeteoToni Italia und MeteoToni France die italienische und französische Perspektive. WeatherToni ordnet das europäische Wettergeschehen auf Englisch ein.
SchneeToni verbindet diese Perspektiven mit den besonderen Fragen der Berge: Wo fällt Schnee, welche Höhenlagen sind betroffen und was bleibt am Boden? Der Überblick über die gemeinsame Toni-Wetterwelt zeigt, welche Plattform welche Fragen vertieft. Gerade bei einer Entwicklung mit kalten und milden Abschnitten ergänzen sich diese unterschiedlichen Blickwinkel.