Starker Schneefall in einem Dorf mit verschneiter Strasse, Häusern und Kirche im Winter 2025/26
Aktuelles 21.08.2026 SchneeToni

Strenger und schneereicher Winter in Europa: Was wirklich zusammenkommen muss

Ein strenger und schneereicher Winter in Europa entsteht nicht durch ein einzelnes Signal. Es braucht genügend kalte Luft, ausreichend Feuchtigkeit, die richtige grossräumige Strömung und vor allem Wetterlagen, die sich über Wochen immer wieder erneuern. Am 21. August 2026 gibt es bereits einige Entwicklungen, die für den kommenden Winter interessant sind. Für eine zuverlässige Prognose des Winters 2026/27 ist es jedoch noch zu früh.

Ein kräftiger Schneefall macht noch keinen strengen Winter. Genauso wenig entscheidet ein warmer August darüber, ob im Januar Schnee liegt. Damit Europa einen wirklich kalten und in vielen Regionen schneereichen Winter erlebt, müssen mehrere meteorologische Zutaten gleichzeitig zusammenpassen.

Vereinfacht lässt sich das auf vier Punkte herunterbrechen: Kälte, Feuchtigkeit, die richtige Luftströmung und genügend Zeit. Fehlt eine dieser Zutaten, kann aus einer vielversprechenden Wetterlage schnell etwas ganz anderes werden.

Sehr kalte Luft ohne Feuchtigkeit bringt beispielsweise trockenen Frost, aber kaum Schnee. Viel Feuchtigkeit bei zu hohen Temperaturen bringt Regen. Und auch 30 oder 40 Zentimeter Neuschnee ergeben noch keinen schneereichen Winter, wenn wenige Tage später milde Atlantikluft einströmt und die Schneedecke wieder verschwindet.

Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelnes Ereignis. Ein strenger Winter entsteht, wenn günstige Winterlagen wiederholt auftreten und die Kälte zwischen den Schneefällen erhalten bleibt.

Die erste Voraussetzung: Europa braucht einen Vorrat an kalter Luft

Damit es in Mitteleuropa richtig winterlich werden kann, muss nördlich oder nordöstlich von uns zunächst genügend kalte Luft vorhanden sein. Solche Kaltluftreservoirs entstehen im Winter vor allem über der Arktis, Grönland, Skandinavien, Russland und Sibirien.

Diese kalte Luft allein reicht allerdings noch nicht. Sie muss auch einen Weg nach Europa finden.

In vielen Wintern ist die Westströmung über dem Nordatlantik kräftig. Tiefdruckgebiete ziehen dann vom Atlantik Richtung Europa und transportieren maritime Luftmassen nach Osten. Diese Luft ist im Winter häufig deutlich milder als kontinentale oder arktische Luft.

Für einen längeren Kälteeinbruch muss diese normale Westströmung deshalb gestört oder umgelenkt werden.

Blockierende Hochdruckgebiete können die Tür zur Kälte öffnen

Besonders interessant sind sogenannte blockierende Hochdruckgebiete. Sie können sich beispielsweise über Grönland, dem Nordatlantik oder Skandinavien aufbauen und dort mehrere Tage oder sogar länger bestehen bleiben.

Ein solches Hoch zwingt den Jetstream, einen Umweg zu nehmen. Dadurch kann sich die gesamte Wetterlage über Europa verändern. Auf der Ost- oder Südseite einer Blockierung kann sehr kalte Luft aus hohen Breiten weit nach Süden gelangen.

Die Position des Hochdruckgebietes ist dabei entscheidend. Ein Hoch über Mitteleuropa bedeutet nicht automatisch Kälte. Je nach Lage kann es sogar milde Luft nach Norden transportieren. Liegt die Blockierung jedoch günstig über dem Nordatlantik, Grönland oder Skandinavien, kann der Weg für arktische oder kontinentale Luftmassen Richtung Europa geöffnet werden.

Deshalb gehört auch die Nordatlantische Oszillation, kurz NAO, zu den wichtigen Grössen für den europäischen Winter. Eine ausgeprägt positive NAO ist häufig mit einer kräftigen Westströmung verbunden. Bei einer negativen NAO steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass die Westströmung schwächer wird und sich blockierte Wetterlagen entwickeln.

Der NAO-Wert vom 21. August sagt allerdings praktisch nichts darüber aus, wie die NAO im Dezember oder Januar aussehen wird. Entscheidend ist, welches Strömungsmuster sich im Spätherbst und während des eigentlichen Winters etabliert.


Infografik zu den wichtigsten Voraussetzungen für einen strengen und schneereichen Winter in Europa
Die wichtigsten meteorologischen Zutaten für einen strengen und schneereichen Winter in Europa im Überblick. Die Grafik zeigt die entscheidenden Zusammenhänge und Beobachtungsfelder – sie ist keine fertige Winterprognose. Grafik: SchneeToni / www.schneetoni.ch

Der Polarwirbel: wichtig, aber kein einfacher Winter-Schalter

Ein weiterer wichtiger Baustein liegt weit über unserem normalen Wettergeschehen. Während des Herbstes entwickelt sich in der Stratosphäre rund um die Arktis der winterliche Polarwirbel. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um ein grosses Starkwindgebiet in mehreren zehn Kilometern Höhe.

Ist dieser Polarwirbel sehr kräftig und kompakt, bleibt die kälteste Luft häufig stärker auf die hohen nördlichen Breiten konzentriert. Gleichzeitig kann eine kräftige Westströmung begünstigt werden.

Interessanter für mögliche Kältephasen in Europa wird es, wenn der Polarwirbel stark gestört, verschoben oder sogar geteilt wird.

Eine besonders ausgeprägte Störung ist eine sogenannte plötzliche Stratosphärenerwärmung, international als Sudden Stratospheric Warming oder SSW bezeichnet. Dabei kann sich die Stratosphäre innerhalb weniger Tage massiv erwärmen und der Polarwirbel deutlich geschwächt werden.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann sich eine solche Veränderung später bis in die unteren Luftschichten fortsetzen. Der Jetstream kann stärker mäandrieren und blockierende Hochdruckgebiete können wahrscheinlicher werden. Dadurch steigt wiederum die Möglichkeit, dass kalte Luft weiter nach Süden ausbricht.

Aber auch hier gilt: Eine Störung des Polarwirbels bedeutet nicht automatisch Schnee in der Schweiz. Entscheidend ist immer, wo sich die Hoch- und Tiefdruckgebiete anschliessend tatsächlich positionieren.

Am 21. August ist es zudem noch viel zu früh, den Polarwirbel des kommenden Winters zuverlässig einzuschätzen. Die für den Winter entscheidende Struktur baut sich erst während des Herbstes auf.

Ohne Feuchtigkeit gibt es trotz Kälte kaum Schnee

Eine der wichtigsten Grundlagen eines schneereichen Winters wird erstaunlich oft vergessen: Kalte Luft kann ausgesprochen trocken sein.

Ein kräftiges Hoch über Russland oder Skandinavien kann beispielsweise sehr kalte kontinentale Luft nach Mitteleuropa führen. Die Temperaturen fallen dann deutlich unter den Gefrierpunkt, gleichzeitig fällt aber möglicherweise tagelang kein Schnee.

Damit Schnee entstehen kann, braucht es zusätzlich genügend Feuchtigkeit. Für Europa spielen dabei vor allem der Atlantik, die Nordsee, das Mittelmeer und die Adria eine wichtige Rolle.

Besonders ergiebig werden Wetterlagen, wenn kalte Luft bereits vorhanden ist und anschliessend ein Tiefdruckgebiet feuchte Luft heranführt. Treffen beide Luftmassen im richtigen Gebiet zusammen, kann es kräftig und über längere Zeit schneien.

In den Alpen kommt zusätzlich die Topografie ins Spiel. Feuchte Luft wird an den Bergen zum Aufsteigen gezwungen. Beim Aufsteigen kühlt sie ab, Wolken entstehen und der Niederschlag kann sich deutlich verstärken.

Genau deshalb können innerhalb weniger Dutzend Kilometer völlig unterschiedliche Schneemengen auftreten.

Warme Meere können bei passender Kälte sogar grosse Schneemengen begünstigen

Zunächst klingt es widersprüchlich: Warum sollten warme Meere für einen schneereichen Winter interessant sein?

Der Grund ist die Feuchtigkeit. Wärmeres Wasser kann mehr Wärme und Wasserdampf an die darüberliegende Atmosphäre abgeben. Trifft diese feuchte Luft später auf eine ausreichend kalte Luftmasse, steht viel Wasser für Niederschlag zur Verfügung.

Das kann bei bestimmten Wetterlagen zu sehr ergiebigem Schneefall beitragen.

Warme Meere sind aber keineswegs automatisch gut für Schnee. Sie können gleichzeitig dafür sorgen, dass die Luft insgesamt wärmer ist und die Schneefallgrenze höher liegt. Dieselbe Ausgangslage, die bei ausreichend kalter Luft enorme Schneemengen produziert, kann bei etwas höheren Temperaturen starken Regen bringen.

Die ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen des Jahres 2026 sind deshalb für den kommenden Herbst und Winter durchaus interessant. Sie sind aber kein Beweis für einen schneereichen Winter. Sie liefern lediglich Energie und Feuchtigkeit, die eine spätere Wetterlage nutzen kann.

El Niño ist am 21. August 2026 eines der auffälligsten grossen Signale

Ein besonders deutlicher Faktor befindet sich derzeit weit entfernt von Europa im tropischen Pazifik. El Niño hat sich 2026 stark entwickelt.

Das NOAA Climate Prediction Center geht aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent davon aus, dass während des Herbstes und Winters 2026/27 ein sehr starkes El-Niño-Ereignis bestehen wird.

El Niño verändert die tropische Gewitteraktivität, die Verteilung grosser Luftströmungen und atmosphärischer Wellen. Diese Veränderungen können sich über grosse Entfernungen fortpflanzen und später auch die Zirkulation über dem Nordatlantik und Europa beeinflussen.

Für Europa ist dieser Zusammenhang jedoch deutlich komplizierter als beispielsweise für manche Regionen rund um den Pazifik.

Es gibt deshalb keine seriöse Regel wie: «Starkes El Niño bedeutet einen kalten Winter in Europa.» Andere Faktoren wie Atlantiktemperaturen, Polarwirbel, Jetstream und Blockierungen können die Wirkung verstärken, verändern oder sogar überdecken.

El Niño ist für den Winter 2026/27 deshalb ein wichtiger Beobachtungspunkt – aber noch keine Antwort auf die Frage, ob es bei uns viel Schnee geben wird.

Auch die QBO kann den Polarwirbel beeinflussen

Ein weniger bekannter Faktor ist die Quasi-Biennial Oscillation, kurz QBO. Dabei wechseln die Winde hoch über dem Äquator in einem Rhythmus von ungefähr zwei bis zweieinhalb Jahren ihre Richtung.

Obwohl dieses Windsystem sehr weit von Europa entfernt liegt, kann es über die Stratosphäre mit dem Polarwirbel zusammenspielen.

Die Entwicklung 2026 deutet in rund 30 Kilometern Höhe auf einen Übergang hin zu westlichen Winden. Eine westliche QBO wird statistisch eher mit einem kräftigeren Polarwirbel in Verbindung gebracht als eine ausgeprägte östliche Phase.

Auch daraus lässt sich allerdings kein Winter vorhersagen. Interessant wird die QBO vor allem dann, wenn ihre Entwicklung gemeinsam mit El Niño und dem Polarwirbel betrachtet wird.

Die Arktis gehört ebenfalls auf die Beobachtungsliste

Ein weiterer Faktor ist das arktische Meereis. Die Arktis hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert und die Meereisbedeckung liegt deutlich unter früheren Durchschnittswerten.

Wenn im Spätsommer grosse Meeresflächen eisfrei bleiben, kann das Wasser während des Herbstes zusätzliche Wärme an die Atmosphäre abgeben.

Seit Jahren wird untersucht, ob dies die arktische Zirkulation, den Jetstream und den Polarwirbel beeinflussen kann. Physikalisch sind solche Zusammenhänge plausibel, sie sind für eine konkrete europäische Winterprognose aber nicht zuverlässig genug.

Wenig arktisches Meereis bedeutet deshalb nicht automatisch einen kalten Winter in Europa.

Hinzu kommt, dass das jährliche Minimum der arktischen Meereisbedeckung normalerweise erst im September erreicht wird. Der aktuelle Auguststand ist deshalb noch nicht das letzte Wort.

Schnee in Sibirien wird im Oktober wesentlich interessanter als im August

Immer wieder wird bereits im Spätsommer auf ersten Schnee in Sibirien geschaut. Für eine Winterprognose ist das zu diesem Zeitpunkt wenig hilfreich.

Interessanter wird die Situation im Oktober. Dann breitet sich die Schneedecke über Eurasien rasch aus.

In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen einer schnellen herbstlichen Ausdehnung der eurasischen Schneedecke, Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation und späteren Störungen des Polarwirbels untersucht.

Auch dieser Zusammenhang funktioniert nicht zuverlässig genug, um daraus allein eine Winterprognose abzuleiten.

Für SchneeToni wird die Schneedeckenentwicklung in Sibirien deshalb vor allem ab Ende September und während des Oktobers interessant.

Und was ist mit Beeren, Nüssen, Fellwechsel und Zugvögeln?

Viele traditionelle Winterregeln beziehen sich auf die Natur. Besonders viele Beeren oder Nüsse sollen angeblich einen strengen Winter ankündigen. Auch ein dichter Fellwechsel bei Tieren, frühe Zugvögel oder auffälliges Verhalten von Wildtieren werden häufig genannt.

Solche Beobachtungen sind faszinierend, funktionieren aber nicht als zuverlässige saisonale Wetterprognose.

Pflanzen reagieren vor allem auf Bedingungen, die bereits stattgefunden haben. Ein starkes Fruchtjahr kann beispielsweise durch günstige Bedingungen während Blüte, Wachstum und Reifung entstanden sein. Daraus lässt sich nicht ableiten, wo Monate später ein Hochdruckgebiet über dem Nordatlantik liegen wird.

Ähnlich ist es bei Tieren. Fellwechsel und Zugverhalten werden unter anderem von Tageslänge, aktuellen Temperaturen, Nahrungsangebot und biologischen Rhythmen beeinflusst.

Naturbeobachtungen können deshalb Hinweise auf den bisherigen Jahresverlauf geben. Sie können aber keine Wetterkarte für Dezember oder Januar ersetzen.

Auch die Sonne ist kein Winterorakel

Die Sonnenaktivität wird ebenfalls regelmässig mit strengen Wintern in Verbindung gebracht.

Es existieren wissenschaftlich untersuchte Wechselwirkungen zwischen Sonnenaktivität, oberer Atmosphäre und Stratosphäre. Die Auswirkungen auf das konkrete Winterwetter einer Region wie Mitteleuropa sind jedoch klein und komplex.

Ein schwacher oder starker Sonnenzyklus bedeutet deshalb nicht automatisch einen kalten oder milden europäischen Winter.

Die klimatische Ausgangslage ist heute wärmer als früher

Bei der Frage nach einem schneereichen Winter darf eine grundlegende Veränderung nicht ausgeblendet werden: Die Temperaturen in Europa und besonders in den Alpen liegen heute auf einem höheren Niveau als vor mehreren Jahrzehnten.

MeteoSchweiz dokumentiert unter anderem einen deutlichen langfristigen Anstieg der winterlichen Nullgradgrenze und einen Rückgang der Schneedecke in tiefen und mittleren Lagen.

Das bedeutet keineswegs, dass kräftige Wintereinbrüche verschwunden sind. Auch heute kann Schnee bis in tiefe Täler oder ins Mittelland fallen.

Schwieriger geworden ist vor allem das dauerhafte Liegenbleiben. Nach einem Schneefall reicht eine kurze milde Phase, um eine Schneedecke in tiefen Lagen rasch wieder abzubauen.

Für einen wirklich schneereichen Winter braucht es heute deshalb nicht nur starke Schneefälle, sondern besonders häufig auch längere kalte Abschnitte dazwischen.

Linthal zeigt, was kräftige Staulagen bewirken können

Das Beitragsbild dieses Artikels entstand im vergangenen Winter in Linthal im Glarnerland. Kräftiger Schneefall erfasste innerhalb kurzer Zeit Strassen, Häuser und Bäume.

Linthal liegt auf rund 650 Metern im hinteren Glarnerland und unmittelbar vor hohen Bergketten. Diese geografische Lage ist für kräftige Niederschläge besonders interessant.

Bei Nord- und Nordwestströmungen wird feuchte Luft gegen die Glarner Alpen geführt. Die Luft kann nicht einfach durch das Gebirge hindurchströmen und wird deshalb zum Aufsteigen gezwungen. Dabei kühlt sie ab und der Niederschlag verstärkt sich.

Das ist der klassische Staueffekt.

Deshalb kann bei einer geeigneten Wetterlage beispielsweise im Schweizer Mittelland nur wenig Niederschlag fallen, während es im südlichen Glarnerland über Stunden kräftig schneit.

Solche regionalen Unterschiede sind einer der Gründe, weshalb die Aussage «der Winter in der Schweiz» meteorologisch oft zu grob ist. Ein Winter kann in einer Region aussergewöhnlich schneereich und nur wenige Dutzend Kilometer entfernt deutlich schneeärmer sein.

Das Klöntal: Wenn Kälte, Feuchtigkeit und Topografie zusammenpassen

Ein weiteres eindrückliches Beispiel aus dem vergangenen Winter stammt aus dem Klöntal im Kanton Glarus. Auch dort können geeignete Nord- und Nordwestlagen innerhalb kurzer Zeit tief winterliche Verhältnisse bringen.


Heftiger Schneefall mit stark eingeschränkter Sicht im Klöntal im Winter 2025/26
Heftiger Schneefall mit stark eingeschränkter Sicht im Klöntal während des Winters 2025/26. Bei solchen Lagen wirken kalte Luft, Feuchtigkeit und die alpine Topografie gleichzeitig zusammen. Bild: SchneeToni

Die Aufnahme zeigt, wie stark intensiver Schneefall die Sicht innerhalb kurzer Zeit reduzieren kann.

Für einen schneereichen Winter reicht allerdings auch eine solche Situation nicht aus. Entscheidend ist, was danach passiert.

Bleibt die kalte Luft liegen oder folgt bereits wenige Tage später die nächste winterliche Wetterlage, kann eine Schneedecke wachsen. Kommt dagegen milde Atlantikluft, setzt rasch Tauwetter ein.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem spektakulären Wintereinbruch und einem dauerhaft schneereichen Winter.

Was ab September und Oktober wirklich interessant wird

Der 21. August ist deshalb weniger ein Zeitpunkt für eine fertige Winterprognose als der Beginn einer längeren Beobachtungsphase.

Im September wird zunächst das Minimum des arktischen Meereises interessant. Gleichzeitig lässt sich beobachten, wie stark sich El Niño tatsächlich entwickelt und welche Temperaturmuster sich im Nordatlantik halten.

Im Oktober rückt die Schneedecke über Eurasien stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig beginnt sich der stratosphärische Polarwirbel deutlicher aufzubauen.

Im November kann erstmals wesentlich besser beurteilt werden, ob dieser Polarwirbel besonders stark, schwach oder störungsanfällig ist. Auch die QBO und mögliche grossräumige Blockierungsmuster werden dann interessanter.

Je näher der Dezember rückt, desto wichtiger werden schliesslich konkrete Wetterregime über dem Nordatlantik und Europa.

Was müsste für einen richtig schneereichen Alpenwinter passieren?

Für die Alpennordseite wären wiederholte Nord- und Nordwestlagen besonders günstig. Dabei müsste feuchte Luft immer wieder gegen die Alpen geführt werden, während die Temperaturen ausreichend tief bleiben.

Für die Alpensüdseite können ganz andere Wetterlagen entscheidend sein. Dort bringen beispielsweise Tiefdruckgebiete über dem Mittelmeer oder der Region Golf von Genua bei passender Kaltluft grosse Schneemengen.

Deshalb müssen Alpennordseite und Alpensüdseite bei einer Wintereinschätzung getrennt betrachtet werden.

Für einen wirklich strengen Winter in ganz Mitteleuropa wäre zusätzlich wichtig, dass die milde Atlantikströmung immer wieder blockiert wird.

Die optimale Kombination wäre:

Ein grosser Kaltluftvorrat im Norden oder Osten, eine blockierte Westströmung, ein geeigneter Transportweg für diese Kaltluft, genügend Feuchtigkeit und Tiefdruckgebiete auf den richtigen Bahnen.

Treffen diese Faktoren nur einmal zusammen, entsteht ein Wintereinbruch. Treffen sie während mehrerer Wochen immer wieder zusammen, kann daraus ein schneereicher Winter werden.

Was sagen die saisonalen Wettermodelle?

Saisonale Wettermodelle können bereits Monate im Voraus berechnen, ob bestimmte Temperatur- oder Niederschlagsmuster wahrscheinlicher als üblich sind.

Sie funktionieren aber völlig anders als eine normale Wetterprognose für die kommenden Tage. Ein saisonales Modell kann beispielsweise eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen überdurchschnittlich warmen Winter zeigen. Es kann nicht seriös vorhersagen, dass es an einem bestimmten Januartag in Linthal 30 Zentimeter schneit.

Gerade für Europa ist die saisonale Vorhersagbarkeit schwierig. Der Nordatlantik, der Jetstream und Blockierungslagen können grosse Unterschiede verursachen.

Deshalb sollte eine saisonale Modellkarte niemals als fertige Wetterkarte für einen drei Monate entfernten Zeitraum gelesen werden.

Stand 21. August 2026: interessant, aber noch kein Winterurteil

Heute gibt es mehrere Punkte, die in den kommenden Monaten weiter beobachtet werden sollten. Das starke El-Niño-Ereignis gehört dazu. Die hohen Meeresoberflächentemperaturen ebenfalls. Dazu kommen die weitere Entwicklung des arktischen Meereises, die QBO, die eurasische Schneedecke und später vor allem der Polarwirbel.

Was heute noch fehlt, ist das Entscheidende: Wir wissen nicht, welche grossräumigen Strömungsmuster sich im Dezember, Januar und Februar tatsächlich einstellen werden.

Deshalb wäre es am 21. August unseriös, einen Jahrhundertwinter auszurufen. Genauso unseriös wäre die Behauptung, der Winter werde sicher mild und schneearm.

Die kommenden Wochen werden jedoch Stück für Stück zusätzliche Informationen liefern.

Alpha Weather verfolgt die Entwicklung vom grossen Muster bis zum konkreten Ort

Je näher der Winter rückt, desto weniger wichtig werden allgemeine saisonale Signale und desto wichtiger wird die tatsächliche Wetterlage.

Ob eine Kaltfront wirklich kommt, wann die Schneefallgrenze sinkt, wie viel Niederschlag fällt und welche Höhenlagen betroffen sind, lässt sich erst auf wesentlich kürzeren Zeitskalen vernünftig beurteilen.

Genau diese Entwicklung lässt sich laufend mit Alpha Weather von SchneeToni verfolgen – vom grossräumigen Wetterwechsel bis zur konkreten Prognose für einzelne Orte und Höhenlagen.

Dabei gilt ein wichtiger Grundsatz: Je weiter ein Wetterereignis entfernt ist, desto stärker muss in Szenarien und Wahrscheinlichkeiten gedacht werden. Mit zunehmender zeitlicher Nähe wird die Prognose konkreter.

Der Winter entscheidet sich nicht am 21. August

Ein strenger und schneereicher Winter 2026/27 ist meteorologisch möglich. Ebenso möglich ist derzeit ein insgesamt milder Winter mit einzelnen kräftigen Kälte- und Schneeperioden oder ein Winter mit enormen regionalen Unterschieden.

Die nächsten wichtigen Puzzleteile kommen erst im Herbst. Besonders September, Oktober und November werden zeigen, wie sich Arktis, Eurasien, El Niño, QBO, Polarwirbel und Nordatlantik gemeinsam entwickeln.

Und selbst dann bleibt Wetter ein dynamisches System. Kein einzelner Index entscheidet darüber, ob in den Alpen im Januar ein Meter Schnee liegt.

Für einen wirklich schneereichen Winter braucht es am Ende keine geheimnisvolle Formel: Die Kälte muss bereitstehen, Feuchtigkeit muss vorhanden sein, die Strömung muss beides am richtigen Ort zusammenführen – und diese Wetterlagen müssen oft genug zurückkehren. Genau darauf wird SchneeToni in den kommenden Monaten besonders genau schauen.