Was erwartet uns im Herbst 2026? Warme Meere, Wetterextreme und früher Schnee in den Alpen?
Die Ausgangslage für den Herbst 2026 ist ungewöhnlich
Wir kommen aus einem Sommer mit wiederholten starken Hitzephasen und teilweise ausgeprägter Trockenheit in Europa. Gleichzeitig sind grosse Teile der globalen Ozeane sehr warm. Auch das Mittelmeer hat in diesem Sommer aussergewöhnlich viel Wärme gespeichert.
Das bedeutet für die Alpen aber nicht automatisch einen bestimmten Herbstverlauf. Saisonale Signale können uns zeigen, welche grossräumigen Entwicklungen wahrscheinlicher sind. Sie können heute jedoch nicht sagen, ob beispielsweise Mitte September ein Tief über Norditalien entsteht und gleichzeitig kalte Luft aus Norden einströmt. Genau solche einzelnen Wetterlagen entscheiden später darüber, ob wir Starkregen, Föhn, Sturm oder plötzlich Schnee bekommen.
Bedeutet ein warmes Mittelmeer automatisch mehr Schnee?
Nein. Dieser Zusammenhang wäre zu einfach. Warmes Meer allein produziert keinen Schneesturm in den Alpen. Ist die Luft über den Alpen zu mild, fällt dieselbe Feuchtigkeit als Regen – möglicherweise sogar bis weit hinauf.
Interessant wird es erst, wenn mehrere Faktoren gleichzeitig zusammenkommen: Ein kräftiges Tief transportiert sehr feuchte Luft Richtung Alpen, die Strömung sorgt für Staueffekte und gleichzeitig dringt genügend kalte Luft ein. Dann kann aus einer sehr niederschlagsreichen Wetterlage im Gebirge eine intensive Schneelage werden.
Vor zwei Jahren wurde aus Spätsommer plötzlich Winter
Genau deshalb denke ich momentan immer wieder an den September 2024 zurück. Seit Wochen hatte ich damals die Wettermodelle verfolgt. Als sich immer deutlicher zeigte, dass ein ungewöhnlich kräftiger Kaltlufteinbruch und grosse Niederschlagsmengen zusammenkommen könnten, entschied ich mich, selbst nach Österreich zu fahren.
Am 12. September startete ich in Luchsingen. Dort regnete es zunächst. Je weiter ich Richtung Österreich kam, desto tiefer sanken die Temperaturen. Im Raum Salzburg beobachtete ich schliesslich bereits auf ungefähr 500 Metern Höhe die ersten Schneeflocken. Danach wurden die Strassen immer winterlicher.
In Obertauern auf rund 1740 Metern war aus dem September praktisch Winter geworden. Die Temperaturen lagen zeitweise um −3 Grad, Schnee und Wind verschlechterten die Bedingungen und viele Verkehrsteilnehmer waren auf diesen plötzlichen Wintereinbruch nicht ausreichend vorbereitet.
Dass dieses Ereignis wirklich aussergewöhnlich war, zeigen auch die offiziellen Messungen aus Österreich. Der September 2024 wurde dort zum niederschlagsreichsten September der Messgeschichte. In Hall bei Admont lagen am 13. September auf nur 637 Metern bereits 5 Zentimeter Schnee. Auf der Rudolfshütte im Salzburger Land wurden auf 2320 Metern am 17. September 145 Zentimeter Schneehöhe gemessen – ein Septemberrekord dieser Messstation.
Das zeigt etwas, das bei einem warmen Sommer schnell vergessen geht: Für einen markanten frühen Wintereinbruch braucht es keinen kalten Sommer davor. Es braucht im entscheidenden Moment die passende Grosswetterlage.
Kann so etwas bereits im September 2026 wieder passieren?
Ja – meteorologisch ist ein solcher Wintereinbruch grundsätzlich möglich. Aber heute, im August, wäre es unseriös zu behaupten, dass er tatsächlich kommen wird. Dafür ist die konkrete Wetterlage noch viel zu weit entfernt.
Was wir aber bereits wissen: Die Atmosphäre geht mit viel Wärme in den Herbst. Gleichzeitig beginnt jetzt jene Jahreszeit, in der die ersten kräftigen Kaltluftvorstösse wieder weit genug nach Süden ausgreifen können. Treffen diese beiden Welten im richtigen Moment aufeinander, kann der Wetterwechsel heftig ausfallen.
Vielleicht ist Schnee aber gar nicht das grösste Risiko
Bei der Diskussion über einen möglichen frühen Wintereinbruch darf man eines nicht vergessen: Ist die Luft nur wenige Grad wärmer, fällt der intensive Niederschlag nicht als Schnee, sondern als Regen. Dann können plötzlich ganz andere Probleme entstehen.
Gerade in den Bergen lohnt sich der Blick auf den eigenen Ort
Bei solchen Wetterlagen reicht eine allgemeine Schweiz- oder Alpenprognose oft nicht. Höhenlage, Staueffekt und regionale Temperaturunterschiede können dazu führen, dass zwei Orte relativ nahe beieinander völlig unterschiedliche Bedingungen erleben.
Ein gutes Beispiel ist das Live-Ortswetter für Braunwald. Der Glarner Bergort liegt deutlich höher als das Mittelland und reagiert bei markanten Temperaturstürzen oder Nordstaulagen entsprechend anders als tiefere Regionen.
Noch höher wird der Unterschied beispielsweise beim Ortswetter am Griesslisee sichtbar. Gerade bei einer fallenden Schneefallgrenze lohnt es sich deshalb, nicht nur auf eine landesweite Prognose zu schauen, sondern die Entwicklung am konkreten Ort zu verfolgen.
Darauf werde ich in den nächsten Wochen besonders achten
Für einen möglichen frühen Wintereinbruch interessiert mich nicht irgendein einzelner langfristiger Modelllauf. Entscheidend ist, ob sich mehrere Signale gleichzeitig verdichten.
Und welche Rolle spielt El Niño?
El Niño verändert grossräumige Temperatur- und Niederschlagsmuster und kann dadurch auch saisonale Entwicklungen beeinflussen. Für Europa sind diese Zusammenhänge allerdings deutlich weniger direkt als in anderen Weltregionen.
Für einen einzelnen Alpenwintereinbruch ist El Niño deshalb kein Schalter. Niemand kann daraus ableiten, dass Obertauern, Braunwald oder ein anderer Alpenort im September eingeschneit wird. Solche Ereignisse werden am Ende durch die konkrete europäische Grosswetterlage entschieden.
Ein früher Schneesturm widerspricht einem wärmeren Klima nicht
Langfristig steigen die Temperaturen und die Schneefallgrenze liegt im Durchschnitt höher. Besonders in tiefen und mittleren Lagen wird Schnee dadurch seltener und bleibt kürzer liegen.
Das bedeutet aber nicht, dass einzelne heftige Schneefälle verschwinden. Im Hochgebirge kann bei einer ausreichend kalten Wetterlage weiterhin enorm viel Schnee fallen. Ein wärmeres Klima verändert die Wahrscheinlichkeit und die Höhenverteilung des Schnees – es macht einzelne extreme Wetterlagen aber nicht unmöglich.
Mein Blick auf den Herbst 2026
Ich erwarte nicht automatisch einen frühen Winter, nur weil der Sommer aussergewöhnlich warm war und die Meere viel Wärme gespeichert haben. Dafür funktioniert Wetter nicht so einfach.
Aber die Ausgangslage macht den kommenden Übergang vom Sommer in den Herbst meteorologisch besonders interessant. Sehr warme Luft- und Meeresflächen treffen zunehmend auf eine Jahreszeit, in der kräftige Kaltluftvorstösse wieder möglich werden. Wenn diese Gegensätze zusammentreffen, können Wetterwechsel intensiv ausfallen.
Ob daraus Starkregen, Sturm, Hochwasser oder tatsächlich der erste grosse Schnee in den Alpen wird, lässt sich heute noch nicht beantworten. Genau deshalb werde ich die Entwicklung bei SchneeToni in den kommenden Wochen sehr genau verfolgen.
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