Extrem kalte verschneite Landschaft in Ostsibirien bei tief stehender Wintersonne
Alpenwetter HEUTE 20.09.2026 SchneeToni

Die kältesten Orte der Welt: Wo selbst -50 Grad noch nicht das Ende sind

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Minus 20 Grad fühlen sich in den Alpen bereits streng winterlich an. Die kältesten Regionen der Erde bewegen sich jedoch in einer völlig anderen Dimension. Der offizielle, von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) anerkannte Tiefstwert beträgt -89,2 Grad. Gemessen wurde er am 21. Juli 1983 an der Forschungsstation Vostok in der Antarktis.

Vostok: -89,2 Grad auf dem antarktischen Hochplateau

Vostok liegt auf rund 3420 Metern Höhe im Inneren der Antarktis. Dort treffen mehrere Voraussetzungen für extreme Kälte zusammen: fehlende Sonneneinstrahlung im Winter, sehr trockene Luft, grosse Höhe, klare Bedingungen und eine mächtige Eisfläche. Die WMO führt die -89,2 Grad bis heute als niedrigste direkt an einer Wetterstation gemessene Lufttemperatur der Erde.

Im hoch gelegenen Inneren der Antarktis können Wintertemperaturen unter -80 Grad fallen. Satelliten haben über dem antarktischen Eisschild noch niedrigere Oberflächentemperaturen erkannt; diese sind aber nicht mit einer standardisierten Lufttemperaturmessung an einer Wetterstation gleichzusetzen.

Grönland: -69,6 Grad – Rekord der Nordhemisphäre

Der offizielle Kälterekord der Nordhemisphäre liegt bei -69,6 Grad. Dieser Wert wurde am 22. Dezember 1991 an der automatischen Wetterstation Klinck in Grönland auf 3216 Metern Höhe gemessen und später von der WMO bestätigt.

Oimjakon und Werchojansk: sibirische Kälte mit Menschen

Besonders eindrücklich sind Oimjakon und Werchojansk im Osten Sibiriens. Die WMO führt für Asien -67,8 Grad: Werchojansk erreichte diesen Wert im Februar 1892, Oimjakon im Februar 1933. Anders als Vostok liegen sie in einer dauerhaft bewohnten Region.

Die extreme Kälte entsteht dort unter anderem durch die kontinentale Lage und ausgeprägte winterliche Hochdrucklagen. In Tälern und Becken kann sich sehr kalte, schwere Luft sammeln. Bei klarem Himmel und schwachem Wind verliert der Boden zusätzlich viel Wärme.

Warum die Alpen nicht mithalten

Auch in den Alpen gibt es starke Fröste, doch Atlantik und Mittelmeer mildern Europas Klima, und Wetterwechsel transportieren regelmässig mildere Luft heran. Selbst hoch gelegene Alpentäler erreichen deshalb nicht die lang anhaltenden sibirischen oder antarktischen Extreme.

Für die Schweiz zeigt La Brévine, wie wichtig die Geländeform ist: In der Juramulde wurde am 12. Januar 1987 mit -41,8 Grad der Schweizer Kälterekord gemessen. Kalte Luft kann sich dort in klaren, windarmen Nächten wie in einer Schüssel sammeln.

Kälte ist mehr als eine Rekordzahl

Für die Einordnung muss zwischen Wetterstationsmessungen, Satellitenmessungen der Schneeoberfläche und den Bedingungen dauerhaft bewohnter Orte unterschieden werden. Vostok bleibt bei standardisierten Bodenmessungen die offizielle Nummer eins. Oimjakon und Werchojansk zeigen dagegen besonders eindrücklich, unter welchen Extremen Menschen dauerhaft leben können.