Extremer nächtlicher Starkschneefall in einem tief verschneiten Alpendorf als Symbolbild
Alpenwetter · Schweiz HEUTE 24.09.2026 SchneeToni

Wann fallen die stärksten Schneefälle eines Winters? Was Statistik und Wetterlagen wirklich zeigen

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Wann fallen in einem Winter eigentlich die stärksten Schneemengen? Die naheliegende Antwort wäre: mitten im Januar, wenn es am kältesten ist. Meteorologisch ist es aber komplizierter. Für extremen Starkschneefall braucht es nicht einfach möglichst tiefe Temperaturen, sondern vor allem drei Zutaten gleichzeitig: sehr viel Feuchtigkeit, kräftige Hebung der Luft und eine ausreichend tiefe Schneefallgrenze. Deshalb können die heftigsten Schneefallperioden eines Winters im Dezember, Januar oder Februar auftreten – in Hochlagen sogar im November, März oder noch später.

Es gibt keinen festen «Starkschneefall-Monat»

Eine starre Regel wie «im Januar fällt immer am meisten Schnee» lässt sich für die Schweizer Alpen nicht belegen. Entscheidend ist die jeweilige Grosswetterlage. Die Winterstatistik zeigt vielmehr, dass aussergewöhnliche Schneefallperioden zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten können. Ein eindrückliches Beispiel ist der Winter 2011/12: Das SLF beschreibt eine 35-tägige intensive Schneefallperiode ab dem 5. Dezember 2011. Zwischen Anfang Dezember und Ende Januar wurde an mehr als der Hälfte der untersuchten Stationen zwei- bis dreimal so viel Neuschnee gemessen wie im langjährigen Mittel dieser beiden Monate. Im Skigebiet Elm summierte sich der Neuschnee in diesem Zeitraum sogar auf 824 Zentimeter.

Auch Februar kann der Monat der Grossschneefälle sein. Im Winter 2025/26 war es zunächst lange trocken und schneearm. Dann folgten mehrere intensive Phasen: Im Februar wurden im westlichsten und nördlichen Unterwallis 100 bis 150 Zentimeter Neuschnee registriert. Vom 15. bis 18. Februar kamen im westlichsten Unterwallis und am nördlichen Alpenkamm nochmals 90 bis 140 Zentimeter hinzu. Ein weiterer Schneefall vom 18. bis 22. Februar brachte dem Norden nochmals rund einen Meter. Das führte zeitweise zu einer ausserordentlichen Lawinensituation.

Die wichtigste Regel: Feuchtigkeit plus Stau plus genügend Kälte

Die grössten Schneemengen entstehen häufig dann, wenn eine feuchte Luftströmung über längere Zeit nahezu quer gegen die Alpen geführt wird. Das Gebirge zwingt die Luft zum Aufsteigen. Beim Aufsteigen kühlt sie ab, Wasserdampf kondensiert und es entsteht anhaltender Niederschlag. Liegt die Schneefallgrenze tief genug, fällt ein grosser Teil dieses Niederschlags als Schnee.

Auf der Alpennordseite sind dafür je nach Lage vor allem westliche, nordwestliche bis nördliche Anströmungen interessant. Feuchte Atlantikluft wird gegen den Alpennordhang gedrückt und kann sich dort stauen. Bei einer ausgeprägten Nordweststaulage können besonders die westlichen und zentralen Voralpen, der Alpennordhang und je nach Strömung auch die östlichen Alpen enorme Mengen erhalten. Auf der Alpensüdseite funktioniert das Prinzip umgekehrt: Bei südwestlicher bis südöstlicher Höhenströmung gelangt feuchte Luft vom Mittelmeer an die Südalpen. MeteoSchweiz beschreibt solche Südstau- beziehungsweise südlichen Staulagen ausdrücklich als Situationen, in denen beträchtliche Niederschlagsmengen an den exponierten Hängen entstehen können.

Warum extreme Kälte nicht automatisch extrem viel Schnee bringt

Sehr kalte Luft kann vergleichsweise trocken sein. Deshalb sind die kältesten Wintertage keineswegs automatisch die schneereichsten. Für einen Grossschneefall ist eine feuchte Luftmasse wesentlich wichtiger. Gleichzeitig muss es in der betreffenden Höhenlage kalt genug sein, damit der Niederschlag als Schnee und nicht als Regen fällt.

Das erklärt auch, weshalb die ergiebigsten Schneefälle häufig in einer meteorologischen Grenzzone auftreten: Es steht viel Feuchtigkeit zur Verfügung, während die Temperatur gerade tief genug für Schnee ist. In höheren Lagen kann eine solche Situation enorme Neuschneemengen produzieren, während es einige hundert Höhenmeter tiefer nass schneit oder sogar regnet. Für die tatsächlich gemessene Neuschneehöhe spielen ausserdem Temperatur, Wind und die Dichte des Schnees eine grosse Rolle.

Höhenlage entscheidet immer stärker

Für die Schweiz ist die Höhe inzwischen noch wichtiger geworden. MeteoSchweiz hält fest, dass Winterniederschlag ab ungefähr 1200 bis 1500 Metern überwiegend als Schnee fällt. Gleichzeitig ist die winterliche Nullgradgrenze im Zuge der Klimaerwärmung deutlich angestiegen: Um 1900 lag sie im Mittel ungefähr auf 420 Metern, in der Referenzperiode 1991-2020 bereits bei rund 900 Metern.

Das hat eine klare Konsequenz: Ein kräftiges Niederschlagsereignis kann heute in mittleren und tiefen Lagen häufiger Regen statt Schnee bringen. MeteoSchweiz beobachtet seit den 1960er-Jahren an vielen Orten einen deutlichen Rückgang sowohl der Tage mit Neuschnee als auch der Neuschneehöhen. Starkschneefall verschwindet damit nicht, aber die Höhenlage, in der ein Niederschlagsereignis als grosser Schneefall in Erscheinung tritt, verschiebt sich tendenziell nach oben.

Was die Statistik über schneereiche Regionen sagt

Die Zahl der Schneefalltage hängt stark von der Höhe und der Region ab. In der Schweizer Schneeklimatologie werden für das Mittelland grob 10 bis 30 Tage mit messbarem Schneefall zwischen September und Mai angegeben. Im Alpenraum sind es vielerorts etwa 30 bis 120 Tage. Solche Mittelwerte sagen allerdings noch nichts darüber aus, ob ein Winter seine Schneemenge durch viele kleine Schneefälle oder durch wenige extreme Ereignisse erhält.

Genau deshalb können einzelne Grossschneefälle einen Winter prägen. Im Winter 2014/15 wurden beispielsweise Ende Januar bis Anfang Februar an der Station Saanenmöser auf 1390 Metern innerhalb von sieben Tagen 155 Zentimeter Neuschnee gemessen. Das SLF ordnete eine solche Sieben-Tage-Summe dort statistisch mit einer Wiederkehrdauer von ungefähr 15 Jahren ein. In La Cure im Jura wurden im selben Zeitraum 139 Zentimeter registriert, entsprechend ungefähr einem 11-jährlichen Ereignis.

Die Nacht ist nicht automatisch schneereicher – kann aber entscheidend sein

Auch die verbreitete Vorstellung, dass der stärkste Schneefall grundsätzlich nachts fällt, ist keine meteorologische Regel. Grossräumiger Stauniederschlag kann Tag und Nacht mit ähnlicher Intensität anhalten. Nachts fehlt allerdings die Sonneneinstrahlung, und die bodennahe Luft kühlt häufig ab. Bei einer grenzwertigen Schneefallgrenze kann das dazu beitragen, dass Schnee in tieferen Lagen eher liegen bleibt. Bei sehr kräftigem Niederschlag kann zudem die Schneefallgrenze durch Niederschlagskühlung lokal absinken.

Für Räumdienste und Verkehr kann eine intensive Nachtphase deshalb besonders auffällig sein: Über mehrere Stunden sammelt sich Schnee an, während weniger Verkehr unterwegs ist. Am Morgen wirkt der Zuwachs dann schlagartig. Meteorologisch ist aber die Dauer und Intensität des Niederschlags entscheidend – nicht die Uhrzeit.

Wind kann aus viel Neuschnee eine gefährliche Situation machen

Bei Starkschneefall ist nicht nur die reine Zentimeterzahl wichtig. Starker Wind verfrachtet den frischen Schnee und kann in windgeschützten Bereichen mächtige Triebschneeansammlungen bilden, während exponierte Stellen teilweise abgeblasen werden. Eine Messstation kann deshalb nicht jede lokale Schneehöhe repräsentieren. Das SLF misst Neuschnee an möglichst ebenen, windgeschützten Messfeldern und kombiniert Messdaten mit hochaufgelösten Modellen.

Für die Lawinengefahr zählt ausserdem, worauf der Neuschnee fällt. Viel Neuschnee auf einer stabilen Altschneedecke ist eine andere Ausgangslage als dieselbe Menge auf ausgeprägten Schwachschichten. Wind, Temperaturentwicklung und die Geschwindigkeit der Schneezunahme können die Situation zusätzlich verschärfen.

Kann man den Zeitpunkt des stärksten Schneefalls eines Winters vorhersagen?

Monate im Voraus lässt sich nicht seriös bestimmen, an welchem Datum der stärkste Schneefall des kommenden Winters auftreten wird. Statistisch kann man Regionen, Höhenlagen und typische Wetterlagen beschreiben. Ein konkreter Grossschneefall wird aber erst mit der Entwicklung der grossräumigen Wetterlage prognostizierbar.

Für die praktische Beobachtung sind deshalb weniger Kalenderregeln als die Zutaten der Wetterlage entscheidend: Wie feucht ist die herangeführte Luft? Aus welcher Richtung trifft sie auf die Alpen? Wie lange hält die Anströmung an? Wo liegt die Nullgrad- und Schneefallgrenze? Wie stark ist der Wind? Und gibt es bereits eine Schneedecke, auf der sich der Neuschnee ablagert?

Die Faustregel für SchneeToni

Die intensivsten Schneefälle entstehen nicht zwingend am kältesten Tag und nicht zwingend im Januar. Die besten Voraussetzungen bestehen, wenn eine sehr feuchte Luftmasse über viele Stunden gegen das Gebirge geführt und zum Aufsteigen gezwungen wird, während die Luft in der gewünschten Höhenlage kalt genug für Schnee bleibt. Im Norden sind kräftige West-, Nordwest- und Nordstaulagen klassische Kandidaten; südlich des Alpenhauptkamms können intensive Südstaulagen enorme Niederschlagsmengen bringen. Entscheidend ist am Ende immer die Kombination aus Feuchtigkeit, Strömungsrichtung, Hebung, Temperatur und Dauer.

Die historischen Daten zeigen eindrücklich, wie extrem solche Phasen werden können: mehr als acht Meter Neuschneesumme in Elm innerhalb von rund zwei Wintermonaten 2011/12, aussergewöhnliche Sieben-Tage-Summen im Winter 2014/15 und mehrere Grossschneefälle mit bis zu 100 bis 150 Zentimetern in einzelnen Regionen im Februar 2026. Der Winter besitzt also durchaus statistische Muster – aber keinen Kalendertermin, an dem der grosse Schnee garantiert kommt.