Aktuelles 18.08.2026 SchneeToni

Sommerski in den Alpen: Wo eine Ära bereits zu Ende ist

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde auf mehreren Alpengletschern mitten im Hochsommer Ski gefahren. Heute ist davon nicht mehr viel übrig. Einige bekannte Sommerskigebiete haben den Betrieb längst aufgegeben. Und der Sommer 2026 zeigt, wie schwierig der Betrieb inzwischen selbst in jenen hoch gelegenen Gebieten geworden ist, die grundsätzlich weiterhin Sommerski anbieten.

Wer alte Aufnahmen vom Sommerskifahren in den Alpen anschaut, sieht eine Bergwelt, die sich vielerorts stark verändert hat. Skilifte führten über ausgedehnte Firnflächen, Rennteams trainierten im Juli und August, und mehrere Gletscher warben ganz selbstverständlich mit Skifahren während der warmen Jahreszeit.

Heute ist die Auswahl deutlich kleiner. Einige Gebiete haben den klassischen Sommerskibetrieb schon vor Jahren oder Jahrzehnten beendet. Andere halten grundsätzlich daran fest, mussten im August 2026 aber vorübergehend pausieren.

Wichtig ist die Unterscheidung: Geschlossen ist nicht gleich aufgegeben. Am Dachstein, am Stubaier Gletscher, im Schnalstal, am Presena und am Sommeiller ist der frühere Sommerskibetrieb dauerhaft Geschichte. In Zermatt, Saas-Fee und am Stilfser Joch handelt es sich 2026 dagegen um vorübergehende Einstellungen. Auch Hintertux hat den Skibetrieb nicht grundsätzlich aufgegeben.

Wo Sommerski bereits Geschichte ist

Der Rückzug aus dem Sommerski hat nicht erst in den vergangenen Jahren begonnen. Einige bekannte Gletscher haben diese Form des Skibetriebs schon lange aufgegeben.

Dachstein: Die Skilifte sind abgebaut

Am Dachsteingletscher oberhalb von Ramsau am Dachstein ist die Entscheidung endgültig gefallen. Im März 2023 begann der Abbau der Schlepplifte auf dem Gletscher. Bereits im Winter davor hatte dort kein regulärer alpiner Skibetrieb mehr stattgefunden.

Der Rückgang des Gletschers machte den Betrieb der im Eis verankerten Liftanlagen zunehmend aufwendig. Der Dachstein selbst bleibt mit seiner Gletscherbahn ein hochalpines Ausflugs- und Tourenziel. Der frühere Skibetrieb mit den Gletscherliften ist jedoch beendet.

Stubaier Gletscher: Ende bereits 1998

Am Stubaier Gletscher oberhalb von Neustift im Stubaital wurde früher ebenfalls im Sommer Ski gefahren. Der Betreiber nennt für das Ende ein klares Jahr: 1998 wurde das Sommerskifahren eingestellt. Als Grund wird die steigende Permafrostgrenze genannt.

Der Stubaier Gletscher blieb ein grosses Skigebiet. Der Betrieb konzentriert sich seither aber auf die dafür geeigneteren Monate ausserhalb des Sommers.

Schnalstal: Seit 2013 kein Sommerski mehr

Auch im Südtiroler Schnalstal gehört der klassische Sommerskilauf der Vergangenheit an. Ausgangspunkt zum Gletscher ist Kurzras am Ende des Tales.

2013 wurde der frühere Sommerskilauf eingestellt. Der Gletscher und die Bergbahnen blieben bestehen, doch der Skibetrieb konzentriert sich heute auf die dafür geeigneteren Jahreszeiten.

Presena: Vom Sommerski zum Gletscherschutz

Am Presena-Gletscher beim Passo Tonale zwischen Trentino und Lombardei begann der Sommerskilauf 1969. Anfang der 2000er-Jahre endete er.

Heute werden Teile des Gletschers während des Sommers mit grossen Geotextilien abgedeckt. Das Projekt läuft seit 2008. Die Abdeckungen können den Eisverlust auf den geschützten Flächen vermindern, den langfristigen Rückgang des Gletschers aber nicht stoppen.

Im Winter wird am Presena weiterhin Ski gefahren. Im Sommer hat sich die Nutzung des Gletschers grundlegend verändert.

Sommeiller: Ein verschwundenes Sommerskizentrum

Noch eindrücklicher ist die Geschichte oberhalb von Bardonecchia im italienischen Piemont. Auf dem Sommeiller-Gletscher entstand in den 1960er-Jahren ein richtiges Sommerskizentrum.

1965 wurde der Betrieb eröffnet. Skilifte erschlossen den Gletscher. Dazu kamen ein Rifugio mit Restaurant und Übernachtungsmöglichkeiten sowie ein regelmässiger Transport von Bardonecchia hinauf ins Hochgebirge.

Bis zum Sommer 1984 konnten die Liftanlagen betrieben werden. Danach wurde das Sommerskizentrum aufgegeben. Der Gletscher zog sich in den folgenden Jahrzehnten stark zurück und ist inzwischen nahezu vollständig verschwunden.

Sommer 2026: Auch die verbliebenen Gebiete müssen pausieren

Anders ist die Lage in den wenigen Gebieten, die Sommerski grundsätzlich weiterhin anbieten. Hier wäre es falsch, von einer endgültigen Schliessung zu sprechen. Der Sommer 2026 zeigt aber, wie schnell selbst in grosser Höhe Grenzen erreicht werden können.

Zermatt: Sommerski vorübergehend eingestellt

In Zermatt stellten die Bergbahnen den Sommerskibetrieb für Gäste auf dem Theodulgletscher am 31. Juli 2026 vorübergehend ein.

Als Gründe nannten die Zermatt Bergbahnen die anhaltend hohen Temperaturen, fehlende nächtliche Abkühlung, wiederholte Gewitter sowie die veränderten Schnee- und Gletscherverhältnisse. Einzelne vorbereitete Trainingspisten konnten in beschränktem Umfang weiterhin von Teams von Swiss-Ski genutzt werden.

Die Bergbahnen betonen ausdrücklich, dass der Sommerski nicht aufgegeben wird. Die Situation wird laufend neu beurteilt. Sobald die natürlichen Voraussetzungen wieder einen sicheren Betrieb zulassen, kann der öffentliche Sommerskibetrieb wieder aufgenommen werden.

Saas-Fee: Seit 10. August geschlossen

Auch in Saas-Fee gehört Sommerski grundsätzlich weiterhin zum Angebot. Seit dem 10. August 2026 ist das Sommerskigebiet jedoch bis auf Weiteres vorübergehend geschlossen.

Die Saastal Bergbahnen nennen anhaltend hohe Temperaturen und die damit verbundenen Veränderungen der Schnee- und Gletscherverhältnisse. Trotz intensiver Präparationsarbeiten konnten Pisten und Gletscherinfrastruktur unter diesen Bedingungen nicht mehr in der erforderlichen Qualität und Sicherheit gewährleistet werden.

Auch hier bleibt eine Wiederaufnahme möglich, sobald die Verhältnisse dies wieder zulassen.

Stilfser Joch: Der Sommer 2026 zeigt sich besonders deutlich

Besonders auffällig ist die Situation am Stilfser Joch. Das hoch gelegene Gebiet gehört zu den traditionsreichsten Sommerskigebieten der Alpen. Die Saison 2026 begann dort am 30. Mai und hätte ursprünglich bis in den Herbst reichen sollen.

Am 15. August wurde der Skibetrieb auf dem Stilfser Gletscher bis auf Weiteres eingestellt.

Stilfser Joch im Sommer 2026 mit Seilbahn und weitgehend schneefreier Hochgebirgslandschaft
Stilfser Joch im Sommer 2026: Auf grossen Flächen liegen Fels und Schutt frei. Schnee und Eis sind auf dieser Aufnahme nur noch in einzelnen Bereichen sichtbar. © SchneeToni

Der Betreiber SIFAS nennt dafür anhaltende Hitze selbst in grosser Höhe, fehlende nächtliche Abkühlung und damit ausbleibendes Wiedergefrieren der Schneedecke sowie häufige Gewitter. Unter diesen Bedingungen konnten die erforderlichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards für den Sommerskilauf nicht mehr gewährleistet werden.

Die aktuelle SchneeToni-Aufnahme zeigt die Situation am Berg unmittelbar. Auf grossen Flächen liegen Fels und Schutt frei, während Schnee und Eis nur noch in einzelnen Bereichen sichtbar sind. Das Bild erklärt für sich allein nicht, weshalb der Skibetrieb eingestellt wurde. Es zeigt aber sehr deutlich, wie sich die hochalpine Landschaft in diesem Sommer präsentiert.

Die Seilbahn zum Gletscher bleibt geöffnet. Die Verhältnisse werden weiter beobachtet. Eine Wiederaufnahme des Skibetriebs ist möglich, wenn sich die Situation deutlich verbessert.

Mit der vorübergehenden Einstellung am Stilfser Joch stand Mitte August auch das letzte zu diesem Zeitpunkt noch betriebene Sommerskigebiet der Alpen still.

Hintertux: Bergbahn offen, derzeit kein Skibetrieb

Eine eigene Einordnung braucht der Hintertuxer Gletscher oberhalb von Hintertux. Die Bergbahnen sind weiterhin für Ausflugsgäste geöffnet. Skibetrieb findet derzeit jedoch nicht statt.

Nach aktuellem Stand wird der nächste Skibetrieb gegen Ende September 2026 erwartet. Hintertux hat das Skifahren damit nicht aufgegeben. Der Skibetrieb über den Hochsommer ist 2026 aber auch dort unterbrochen.

Eine Entwicklung, die schon vor Jahrzehnten begonnen hat

Der Blick auf die einzelnen Gletscher zeigt, dass es nicht den einen Zeitpunkt gab, an dem der Sommerski in den Alpen zu verschwinden begann. Am Sommeiller endete der Liftbetrieb 1984, im Stubai 1998 und am Presena Anfang der 2000er-Jahre. Später folgten das Schnalstal und der Dachstein.

Zermatt, Saas-Fee und das Stilfser Joch gehören dagegen weiterhin zum Sommerski. Gerade deshalb fällt der August 2026 auf: Selbst in diesen hoch gelegenen Gebieten reichten die Bedingungen zeitweise nicht mehr für einen regulären öffentlichen Skibetrieb.

Das ist kein Grund, alle Gletscherskigebiete voreilig abzuschreiben. Höhenlage, Exposition, Infrastruktur und lokale Verhältnisse unterscheiden sich stark. Die Entwicklung zeigt jedoch, wie klein die Zahl der Gebiete geworden ist, in denen Skifahren mitten im Sommer überhaupt noch möglich ist.

Was vor einigen Jahrzehnten an mehreren Orten selbstverständlich war, hängt heute zunehmend von geeigneten Wetter-, Schnee- und Gletscherverhältnissen ab.

Ein besonderer Moment im Hochsommer 2026

Mitte August stehen die Sommerskipisten der Alpen still. Nicht weil Zermatt, Saas-Fee oder das Stilfser Joch den Skibetrieb endgültig aufgegeben hätten. Das haben sie ausdrücklich nicht.

Doch während am Sommeiller nur noch Spuren an die frühere Sommerski-Zeit erinnern, im Stubai und im Schnalstal seit Jahren kein Sommerski mehr angeboten wird und am Dachstein die früheren Skilifte bereits abgebaut wurden, müssen nun auch die verbliebenen Sommerskigebiete immer genauer beurteilen, wann ein Betrieb tatsächlich möglich ist.

Der Sommer 2026 liefert dafür ein eindrückliches Bild.

Stand: 18. August 2026. Die Betriebssituation in Zermatt, Saas-Fee und am Stilfser Joch kann sich bei veränderten Schnee-, Gletscher-, Wetter- und Sicherheitsverhältnissen wieder ändern.