Schneearme alpine Novemberlandschaft mit braunen Wiesen und vereinzelten Schneeresten; KI-Symbolbild, kein aktuelles Ortsfoto.
Alpenwetter JETZT 05.11.2026 SchneeToni

Schnee unter 2000 Metern: War Anfang November früher weisser?

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Der erste Schnee verändert ein Bergdorf. Die Wiesen verschwinden unter einer hellen Decke, die Hänge rücken optisch zusammen, und aus einer Herbstlandschaft wird ein Winterbild. Wer darauf wartet, schaut Anfang November besonders genau hin. Nicht nur auf die weissen Gipfel, sondern auf die Höhe, in der Menschen wohnen, spazieren gehen und ihre erste Abfahrt machen möchten. Dort entscheidet sich, ob der Winter schon angekommen ist.

Gut zu wissen

Gleich viel Schnee – und doch nicht gleich viel Wasser

Zentimeter allein verraten nicht, wie viel Wasser in einer Schneedecke steckt. Deshalb wird neben der Höhe auch ihr Wassergehalt gemessen.

  1. Höhe und Gewicht unterscheidenDie Schneehöhe beschreibt die Dicke der Decke. Ihr Wassergehalt zeigt dagegen, welche Wassermenge beim vollständigen Schmelzen frei würde.
  2. Zwei Messungen statt eines BlicksAn automatischen Messstellen kann ein Ultraschallsensor die Höhe erfassen. Ein Schneekissen misst den Druck der Schneelast und erschliesst damit den Wassergehalt.

Am Morgen des 5. November 2026 zeigte die automatische Station Davos Stilli auf 1563 Metern einen Zentimeter Schnee. Der Wert von 06.30 Uhr ist ein konkreter Einblick in die Schneearmut an diesem Messpunkt, kein Zustandsbericht für alle Davoser Hänge und erst recht nicht für den gesamten Alpenbogen. Gerade solche Bilder und Zahlen wecken jedoch eine nachvollziehbare Frage: War es um diese Zeit früher nicht schon deutlich winterlicher?

Die Antwort ist zweigeteilt: Unterhalb von 2000 Metern ist die Schneedecke in vielen Alpenregionen über Jahrzehnte weniger beständig geworden. Ein alpenweiter Negativrekord oder ein bezifferter Rückstand des heutigen Tages gegenüber den letzten 20 Jahren ist damit aber nicht belegt. Das ist keine Ausflucht. Es ist der Unterschied zwischen einem einzelnen Herbstmorgen und einer Veränderung, die sich durch viele Winter zieht.

Auch vor 15 Jahren blieb der Winter lange aus

Ein Rückblick auf 2011 zeigt, wie trügerisch die Erinnerung an einen stets weissen November sein kann. Am Hasliberg auf 1825 Metern brachten zwei Wintereinbrüche im Oktober zunächst wenige Zentimeter Schnee. Danach verschwand die Decke wieder. Das Messfeld blieb bis zum 3. Dezember schneefrei. Im Walliser Fionnay auf 1500 Metern musste man ebenfalls bis Anfang Dezember auf die Schneedecke warten.

Anschliessend kippte der Winter. Am Hasliberg lagen zum Jahreswechsel bereits 171 Zentimeter Schnee. Ab dem 10. Dezember blieb die Schneehöhe dort bis weit in den Mai über dem damaligen langjährigen Mittel. Im Dezember und Januar fiel am Alpennordhang, im Wallis und in Teilen Graubündens ausserordentlich viel Schnee. Der braune November war also keineswegs das Ende der Geschichte.

Dieses Beispiel widerlegt nicht den Klimawandel. Es widerlegt die Vorstellung, in jedem der vergangenen 20 Jahre habe Anfang November schon eine tragfähige Schneedecke gelegen. Wer einen einzelnen weissen Herbst aus der Erinnerung herausgreift, findet leicht ein Jahr, gegen das 2026 schlecht aussieht. Wer einen besonders schneearmen Herbst auswählt, kann den gegenteiligen Eindruck erzeugen. Ein fairer Vergleich darf sich seine Vergangenheit nicht passend aussuchen.

Südtirol zeigt, wie schnell sich ein Winterbild drehen kann

Auch südlich des Alpenhauptkamms verläuft der Winter nicht nach einem festen Drehbuch. Das Klimamonitoring von Eurac Research verfolgt die schneebedeckte Fläche Südtirols mit Satellitendaten seit 2002. Unterhalb von 2000 Metern zeigen sich starke Unterschiede zwischen den Jahren und eine leichte Tendenz zur Abnahme. In der dort beschriebenen Auswertung war 2016/17 der Winter mit der geringsten Schneebedeckung in diesen Höhenlagen.

Besonders anschaulich ist 2023/24: Anfang November lag die schneebedeckte Fläche in Südtirol zeitweise deutlich über dem Vergleichsmittel. Zwischen Ende Januar und Mitte März folgte trotzdem ein ausgeprägtes Defizit. Ein vielversprechender Auftakt hatte keinen durchgehend schneereichen Winter gesichert. Gemessen wird hier allerdings die weisse Fläche, nicht die Dicke der Decke. Wenige Zentimeter können auf einem Satellitenbild schon viel Landschaft weiss erscheinen lassen.

Zusammen ergeben Hasliberg und Südtirol eine wichtige Lehre: Ein später Anfang kann noch aufgeholt werden, ein früher Schneefall kann wieder verloren gehen. Beides ist in jüngerer Vergangenheit passiert. Deshalb wäre es ebenso voreilig, den Winter 2026/27 am 5. November abzuschreiben, wie ihn nach dem ersten grossen Schneefall bereits zu feiern.

Was sich hinter der Grenze von 2000 Metern verbirgt

Unterhalb von 2000 Metern liegen nicht nur tief gelegene Talböden. Dazu gehören auch viele Bergdörfer, Alpweiden und mittlere Hänge. Ein Standort auf 900 Metern und eine Mulde auf 1900 Metern stehen jedoch nicht unter denselben klimatischen Bedingungen. Wer beide zu einer einzigen Schneelage zusammenfasst, verliert genau die Unterschiede, auf die es im November ankommt.

Die Grenze von 2000 Metern ist keine meteorologische Mauer. Entscheidend sind auch Hangrichtung, Gelände und Luftströmung. Auf einem schattigen Nordhang kann sich Schnee halten, während eine sonnige Wiese auf gleicher Höhe wieder ausapert. In einem windgeschützten Geländekessel kann die Verteilung anders aussehen als auf einem abgeblasenen Rücken. Ein Berg hat deshalb nicht einfach eine einzige Schneehöhe.

Dennoch ist die Höhenstufe für die Forschung besonders wichtig: In den tieferen und mittleren Alpenlagen entscheidet eine Erwärmung häufiger darüber, ob Niederschlag als Schnee oder Regen ankommt und ob eine vorhandene Decke erhalten bleibt. GeoSphere Austria beschreibt genau dieses Zusammenspiel aus steigendem Regenanteil, stärkerer Schmelze, späterem Einschneien und früherem Ausapern. Die Veränderung betrifft damit nicht nur die Frage, wie oft Flocken fallen.

Der deutlichste Verlust ist oft ein Verlust an Zeit

Für einen Winterweg oder eine Loipe ist ein einzelner Schneefall wenig wert, wenn die Decke kurz darauf verschwindet. Auch für die Landschaft rund um ein Dorf macht es einen Unterschied, ob sie an einigen Tagen weiss ist oder über Wochen winterlich bleibt. Genau deshalb betrachten Forschende neben der Schneehöhe die Dauer der Schneebedeckung: Sie fragen nicht nur, wie viel Schnee da war, sondern auch, wie lange.

Eine internationale Untersuchung von Michael Matiu und weiteren Forschenden wertete Schneemessungen aus Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Slowenien und der Schweiz aus. Für die Trendberechnung standen mehr als 800 Stationen zur Verfügung. Zwischen 1971 und 2019 nahm die Schneebedeckungsdauer auf 1000 bis 2000 Metern im nördlichen Alpenraum durchschnittlich um 5,3 Tage pro Jahrzehnt ab, im südlichen um 7 Tage. Betrachtet wurden jeweils November bis Mai.

Die Untersuchung beschreibt also keinen gleichmässigen Verlust an jedem Ort und in jedem Winter. Sie zeigt aber, dass die Sorge um weniger verlässlichen Schnee eine breite Grundlage hat. Die Erinnerung an eine lange Schneesaison muss nicht falsch sein, nur weil sich zugleich ein schneeloser November aus früheren Jahren finden lässt. Wetterausnahmen und langfristige Entwicklung widersprechen sich nicht.

Österreich: Der Rückgang endet nicht an der Landesgrenze

In Österreich wurde die Entwicklung im Forschungsprojekt FuSE-AT auch flächig untersucht. Die Universität Innsbruck, der damalige Wetterdienst ZAMG und weitere Partner rekonstruierten die Schneelage ab 1961. Das verwendete Modell arbeitete mit einem Raster von einem Kilometer und wurde anhand langfristiger Schneebeobachtungen geprüft. Es ergänzt damit den Blick einzelner Messfelder um die Landschaft dazwischen.

Für den untersuchten Zeitraum 1961 bis 2020 ergab sich im Mittel über die gesamte Fläche Österreichs eine Verkürzung der Schneedeckendauer um rund 40 Tage. Besonders stark waren die Abnahmen unterhalb von 1500 Metern. Die Zahl umfasst alle Höhenlagen des Landes; sie bedeutet ausdrücklich nicht, dass jeder Tiroler Ort genau 40 Schneetage verloren hat. Ebenso wenig ist sie ein Wert allein für November oder für die Jahre seit 2006.

Dass die Veränderung je nach Höhe unterschiedlich ausfällt, ist für den Alltag zentral. Ein hoch gelegenes Skigebiet und ein Dorf weiter unten können denselben Winter ganz verschieden erleben. Oben funktionieren die Pisten, unten bleibt die Wiese offen. Die Erfolgsmeldung vom Berg und die Enttäuschung im Tal können beide zutreffen, ohne dass jemand die Schneelage falsch beschreibt.

Frankreich: Ein Messplatz macht den Wandel greifbar

Besonders eindrücklich ist der Blick an den Col de Porte in der französischen Chartreuse. Das Messgelände liegt auf 1325 Metern und damit mitten in der diskutierten Höhenstufe. Dort wird seit dem Winter 1960/61 beobachtet. Météo-France beschreibt den Standort als weitgehend frei von grösseren lokalen Eingriffen, die den Vergleich über die Jahrzehnte verfälschen könnten.

Der französische Klimaindikator weist zwischen den Wintern 1960/61–1989/90 und 1990/91–2019/20 eine Abnahme der mittleren Schneehöhe um 38 Zentimeter aus. Das Mittel bezieht sich auf Dezember bis April. Gleichzeitig stieg die Temperatur um etwa ein Grad. Für die gesamte Niederschlagsmenge liess sich dort dagegen kein entsprechender langfristiger Trend nachweisen. Weniger Schnee bedeutet an diesem Ort also nicht einfach, dass wesentlich weniger Niederschlag angekommen wäre.

Gerade darin liegt die Bedeutung dieses Beispiels: Wasser kann weiterhin vom Himmel fallen und der Winter am Boden trotzdem an Substanz verlieren. Ein grösserer Regenanteil und häufigere Schmelzphasen verändern, was davon als Schnee liegen bleibt. Ein einzelnes Messfeld ersetzt keine Alpenbilanz. Doch es zeigt sehr konkret, wie aus einer klimatischen Veränderung eine dünnere Schneedecke wird.

Auch die gemeinsamen Wetterdienst-Daten zeigen den Unterschied

Der Deutsche Wetterdienst, GeoSphere Austria und MeteoSchweiz stellen im gemeinsamen Alpenklima-Bulletin die Entwicklung in den Zentral- und Ostalpen nebeneinander. An den ausgewählten Stationen zwischen 500 und 1500 Metern lag die mittlere Schneehöhe im meteorologischen Winter der Jahre 1961–1990 bei rund 35 Zentimetern. Im Vergleichszeitraum 1991–2020 waren es noch knapp 25 Zentimeter. Gemeint sind Dezember bis Februar, nicht der einzelne Novembertag.

In den hochalpinen Lagen unterschieden sich die entsprechenden 30-jährigen Mittel deutlich weniger. Das ist kein Freipass für das Hochgebirge, sondern ein Hinweis darauf, wie stark die Höhe die Entwicklung prägt. Ein Bild von tief verschneiten Gipfeln kann die Verluste weiter unten nicht widerlegen. Umgekehrt darf eine schneefreie Talstation nicht zur Beschreibung aller Gipfel gemacht werden.

Die Landesgrenzen helfen beim Einordnen der Quellen, nicht beim Erklären des Schnees. Für die Menschen vor Ort zählt letztlich ihr eigener Höhenbereich. Der Blick über mehrere Länder verhindert aber, dass aus einer lokalen Enttäuschung vorschnell eine Behauptung über die ganzen Alpen wird – oder ein einzelner guter Winter den langfristigen Rückgang verdeckt.

Weniger Neuschnee ist noch einmal eine andere Geschichte

Eine 2024 vorgestellte Studie unter Leitung von Eurac Research in Bozen und mit Beteiligung der Universität Trient untersuchte nicht nur den liegen gebliebenen Schnee, sondern die Neuschneemengen. Die Forschenden führten Aufzeichnungen von 46 Orten zusammen, die bis 1920 zurückreichen. Über den untersuchten Alpenraum ergab sich bis 2020 insgesamt ein Rückgang der Schneefälle um rund 34 Prozent. Besonders deutlich waren die Verluste unterhalb von 2000 Metern und in südlichen Gebieten.

Auch hier darf aus einer eindrücklichen Zahl keine falsche Schlagzeile werden. Die 34 Prozent beziehen sich auf ein Jahrhundert und die untersuchten Schneefallreihen. Sie bedeuten weder 34 Prozent weniger Schnee an jedem Hang noch einen gleich grossen Rückgang seit 2006. Vor allem sagen sie nicht, dass am 5. November 2026 genau ein Drittel der üblichen Schneedecke fehlt.

Die drei Blickwinkel ergänzen einander: Neuschnee beschreibt den Nachschub, die Schneehöhe den vorhandenen Bestand und die Schneedeckendauer seine Beständigkeit. Für einen guten Winter braucht es mehr als einen gelungenen Auftakt. Schnee muss nachkommen, sich halten und die milden Phasen überstehen. Eine einzige Zahl kann diese ganze Geschichte nicht erzählen.

Der Winter verliert Tage an beiden Enden

Im November fällt vor allem auf, was noch nicht da ist. Der zweite grosse Verlust wird erst im Frühling sichtbar: Schnee verschwindet früher. Eine Untersuchung der Universität Basel mit Beteiligung der Schneeforschung zeigte für Schweizer Standorte zwischen 1000 und 2500 Metern, dass die Schneeschmelze von 1958 bis 2019 im Mittel um 2,8 Tage pro Jahrzehnt früher erfolgte. Besonders deutlich war die Verschiebung Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre.

Das erklärt, weshalb ein schneereicher Februar und eine kürzere Schneesaison zusammenpassen. Die stärksten Winterbilder entstehen oft in der Mitte der Saison. Die fehlenden Tage an deren Rändern sind weniger spektakulär, summieren sich aber. Eine Wiese, die im April schon frei ist, erscheint auf keinem Foto des tief verschneiten Januars. Beide Bilder gehören dennoch zum selben Winter.

Die Schweizer Klimaszenarien CH2025 beschreiben den grundlegenden Zusammenhang: Die Nullgradgrenze ist langfristig gestiegen, Niederschlag fällt auch weiter oben häufiger als Regen, und Schnee und Eis schmelzen leichter. Das bedeutet keine schneefreien Berge in jedem Winter. Es bedeutet, dass sich die Bedingungen verschieben, unter denen eine Schneedecke entstehen und erhalten bleiben kann.

Was das für Bergdörfer und Wintersport bedeutet

Für Menschen, die vom Winter leben, ist nicht allein die grösste Schneehöhe entscheidend. Ein verlässlicher Saisonbeginn, zusammenhängende Betriebswochen und ein brauchbarer Frühling sind ebenso wichtig. Ein Meter Schnee im Februar holt einen ausgefallenen Dezember nicht automatisch zurück. Umgekehrt kann ein Betrieb mit günstiger Höhenlage einen schneearmen Talwinter besser überstehen als ein kleiner Lift am Dorfrand.

Deshalb untersucht der französische Klimadienst ClimSnow Skigebiete nicht nach einer einzigen pauschalen Höhengrenze. Er berücksichtigt unter anderem die Höhe, die Ausrichtung der Pisten und den Einsatz technischer Beschneiung. Für die Beurteilung der natürlichen Schneelage muss man diesen letzten Punkt getrennt betrachten: Eine präparierte oder beschneite Piste ist kein unbeeinflusstes Messfeld. Ihre weisse Fläche sagt etwas anderes aus als die Wiesen daneben.

Das gilt auch beim Blick auf Webcams. Eine Aufnahme kann hervorragend zeigen, ob eine bestimmte Wiese gerade weiss ist. Sie zeigt aber nicht ohne Weiteres, wie tief der Schnee liegt, wie er verteilt ist oder wie lange er schon dort liegt. Und sie kann nur dann einen historischen Vergleich tragen, wenn Bildausschnitt, Standort und Datum zusammenpassen. Ein aktuelles Panoramabild gegen ein besonders schönes Winterfoto von früher antreten zu lassen, ist kein fairer Vergleich.

Die Folgen reichen weit über die Skipiste hinaus

Schnee ist auch Wasser, das vorübergehend in den Bergen bleibt. Eine Schneedecke kann Niederschlag über Wochen und Monate zurückhalten und ihn bei der Schmelze zeitversetzt an Bäche und Flüsse abgeben. Fällt mehr Regen statt Schnee oder beginnt die Schmelze früher, verändert sich dieser zeitliche Ausgleich. Das Bundesamt für Umwelt beschreibt deshalb nicht nur eine Frage der jährlichen Wassermenge, sondern besonders ihrer Verteilung über die Jahreszeiten.

Für Wasserkraft, Landwirtschaft und Gewässer ist dieser Unterschied erheblich. Wasser, das im Winter bereits abgeflossen ist, steht im späten Frühling nicht noch einmal als Schneereserve bereit. Wie angespannt ein Sommer tatsächlich wird, hängt daneben von Regen, Hitze, Verdunstung und den vorhandenen Speichern ab. Eine braune Wiese am 5. November ist deshalb noch keine Vorhersage einer sommerlichen Trockenheit.

Auch hier lohnt sich der Blick auf die ganze Saison. Die natürliche Schneereserve baut sich erst über viele Niederschlagsereignisse auf. Nach Angaben der nationalen Trockenheitsplattform erreicht die Schneedecke ihre grösste Mächtigkeit je nach Lage zwischen Februar und Mai. Anfang November ist dieser Aufbau noch lange nicht abgeschlossen. Das beruhigt nicht pauschal, rückt aber den Zeitpunkt ins richtige Verhältnis.

Was sich über den heutigen Tag wirklich sagen lässt

Für einen sauberen Vergleich mit den letzten 20 Jahren müsste man den 5. November 2026 den jeweiligen 5. Novembern von 2006 bis 2025 gegenüberstellen: an denselben Standorten, auf vergleichbaren Höhen und mit vergleichbarer Messung. Dazu käme die Frage, ob man Zentimeter Schnee, die bedeckte Fläche oder bereits erreichte Schneetage vergleichen will. Aus den geprüften Quellen liegt keine fertige, ausreichend repräsentative Auswertung genau dieser Fragestellung vor.

Das heisst nicht, dass es nirgendwo passende Daten gibt. Es heisst, dass sich aus den hier belegten Reihen und Einzelbeobachtungen kein belastbarer alpenweiter Rang für diesen Tag ableiten lässt. Besonders am Saisonbeginn wäre zudem ein Mittelwert allein wenig anschaulich: Einige schneereiche Vergleichstage können ihn anheben, obwohl zahlreiche andere Jahre ebenfalls kaum Schnee hatten. Dann kann «unterdurchschnittlich» stimmen, ohne dass «ungewöhnlich selten» stimmt.

Der aktuelle Davoser Morgenwert dokumentiert wenig Schnee an einem Messort. Die internationalen Studien dokumentieren den langfristigen Rückgang. Die historischen Beispiele zeigen die grosse Beweglichkeit einzelner Winter. Erst zusammen ergeben diese drei Ebenen ein ehrliches Bild: Es gibt Grund, die Entwicklung ernst zu nehmen, aber keinen Grund, aus dem heutigen Tag einen unbelegten Negativrekord zu machen.

Für die nächsten Wochen bleibt entscheidend, welche Luftmassen die Alpen erreichen, wo Niederschlag fällt und was davon erhalten bleibt. Wie stark die Strömung dabei mitspielt, erläutert unser Rückblick auf die Grosswetterlagen Anfang November. Eine bestimmte Entwicklung für Weihnachten oder den ganzen Winter lässt sich aus der Schneearmut dieses Morgens nicht vorhersagen.

Früher war Anfang November nicht immer Winter. Aber der Schnee, der fiel, findet heute in vielen tieferen und mittleren Alpenlagen ungünstigere Bedingungen vor, um lange zu bleiben. Darin liegt die eigentliche Veränderung: nicht in einem einzigen braunen Hang und nicht in einem einzelnen schlechten Datum, sondern in der schwindenden Verlässlichkeit der weissen Jahreszeit.

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Was das bedeutet

Früher schneefrei ist für Pflanzen nicht nur ein Vorteil

Wenn Schnee früher verschwindet, beginnt für manche Alpenpflanzen die Wachstumszeit früher. Das kann aber auch ihre empfindlichen neuen Triebe früher dem Frost aussetzen.

  1. Mehr Zeit, mehr FrostrisikoEin früher Wachstumsbeginn kann bei untersuchten alpinen Pflanzen mit weniger Blüten, geringerem Blattwachstum und schlechterem Überleben verbunden sein.
  2. Das Kleinklima macht den UnterschiedMulden, Rücken und unterschiedlich ausgerichtete Hänge schaffen auf kurzer Distanz verschiedene Bedingungen. Nicht jede Art und nicht jeder Standort reagiert gleich.

Updates, Clips und Analysen – je nach Kanal.