Symbolbild einer geräumten hochalpinen Passstrasse zwischen meterhohen Schneewänden
Alpenwetter · Ausland · CH, AT, IT HEUTE 26.09.2026 SchneeToni

Bis 26 Meter Schnee: Diese Alpenpässe schrieben Schneegeschichte

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26 Meter am Grossen St. Bernhard, 4,70 Meter in Obertauern und 10,35 Meter am Kleinen St. Bernhard: Wer nach den extremsten Schneemengen auf Alpenpässen sucht, stösst auf Werte, die fast unglaublich wirken. Wichtig ist aber die saubere Einordnung. Historische Passangaben, Räumhöhen und standardisierte Schneehöhen an Messfeldern sind nicht automatisch dasselbe. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Quellen.

Schweiz: Grosser St. Bernhard – rund 26 Meter im Jahr 1885

Für die Schweiz führt die historische Rekordspur zum Grossen St. Bernhard auf 2476 Metern zwischen dem Wallis und dem Aostatal. Der Kanton Wallis nennt für diesen Pass eine Rekordhöhe von rund 26 Metern aus dem Jahr 1885. Zum Vergleich: Bei der Öffnung 2023 wurden 8,6 Meter angegeben, während das Zehnjahresmittel damals bei 15,5 Metern lag. Für 2026 wurden 11 Meter genannt, das Zehnjahresmittel lag bei rund 13 Metern.

Diese Werte sind spektakulär, dürfen aber nicht mit einer modernen, standardisierten Schneehöhenmessung auf einem flachen, windgeschützten Messfeld gleichgesetzt werden. Beim Grossen St. Bernhard beziehen sich die veröffentlichten Angaben auf die enorme Schneemasse im Bereich der Passstrasse und der jährlichen Schneeräumung. Windverfrachtung, Lawinenablagerungen und die Topografie können dort zusätzlich gewaltige Schneewände erzeugen. Als historischer Passrekord ist die Angabe von rund 26 Metern für 1885 dennoch bemerkenswert und wird vom Kanton Wallis ausdrücklich so geführt.

Österreich: Obertauern – 470 Zentimeter im Winter 1966/67

In Österreich ist Obertauern am Radstädter Tauernpass besonders gut dokumentiert. Eine Langzeitauswertung mit Daten des Hydrographischen Dienstes Salzburg umfasst mehr als ein Jahrhundert. Der höchste Wert der Reihe wurde im Winter 1966/67 mit 470 Zentimetern Schneehöhe erreicht. Die mittlere jährliche maximale Schneehöhe lag in der ausgewerteten Reihe bei rund 257 Zentimetern.

Obertauern liegt auf etwa 1740 Metern direkt am Passübergang und profitiert von seiner Lage in den Radstädter Tauern. Feuchte Luft kann sowohl aus nördlichen als auch aus südlichen Richtungen an die Gebirgszüge geführt werden. Dadurch entstehen immer wieder ausgeprägte Staueffekte. Der Rekordwinter 1966/67 war zudem ein aussergewöhnlich schneereicher und lawinengefährlicher Winter in der Region.

Italien: Kleiner St. Bernhard – 10,35 Meter im März 1937

Auf italienischer Seite führt die historische Spur zum Colle del Piccolo San Bernardo, dem Kleinen St. Bernhard zwischen dem Aostatal und Savoyen. In historischen Reihen des italienischen Hydrographischen Dienstes wird dort eine maximale Schneehöhe von 1035 Zentimetern im März 1937 geführt. In späteren Zusammenstellungen wird der 28. März 1937 als Messtag genannt. Auch die Protezione Civile der Provinz Turin führt die 1035 Zentimeter am Kleinen St. Bernhard als aussergewöhnlichen alpinen Maximalwert an.

Der Pass liegt auf rund 2188 Metern und befindet sich in einer Zone, die bei kräftigen West- und Südwestlagen enorme Niederschlagsmengen erhalten kann. Feuchte Luft vom Atlantik und Mittelmeer wird an den Westalpen gehoben. Bei ausreichend tiefer Temperatur fällt dieser Niederschlag in grosser Höhe als Schnee. Hinzu kommen Windverfrachtungen, die auf exponierten Passflächen lokal grosse Unterschiede erzeugen können.

Drei Rekorde – aber drei unterschiedliche Messwelten

Ein direkter Wettbewerb nach dem Motto «26 Meter gegen 10,35 Meter gegen 4,70 Meter» wäre meteorologisch unseriös. Beim Grossen St. Bernhard handelt es sich um eine historische Pass- und Räumangabe, bei Obertauern um eine langjährige Schneehöhenreihe und beim Kleinen St. Bernhard um eine historische Schneehöhenmessung des Hydrographischen Dienstes. Moderne Schnee-Messnetze arbeiten möglichst auf ebenen, windgeschützten Flächen, weil Verwehungen die tatsächliche Schneedecke stark verfälschen können.

Gerade das macht die alten Rekorde spannend: Sie zeigen nicht nur, wie schneereich die Alpen sein können, sondern auch, wie wichtig Messmethode, Standort und Gelände sind. Ein meterhoher Schneewall an einer Passstrasse ist nicht automatisch dieselbe Grösse wie die Schneehöhe auf einem standardisierten Messfeld.

Warum Pässe solche Schneemassen sammeln können

Alpenpässe liegen häufig genau dort, wo Luftmassen über Gebirgsketten gezwungen werden. Die Luft steigt auf, kühlt ab und der Wasserdampf kondensiert. Im Winter kann daraus lang anhaltender Starkschneefall entstehen. Zusätzlich bündeln Passlandschaften den Wind. Schnee wird aus benachbarten Hängen ausgeblasen und in Mulden, Einschnitten oder an Strassenkanten wieder abgelagert. Lawinen können weitere Schneemassen in den Passraum transportieren.

Darum gehören einige Alpenpässe zu den eindrucksvollsten Orten, um die Kraft eines schneereichen Winters zu sehen. Historische Rekorde müssen jedoch immer mit ihrer Messmethode gelesen werden – erst dann erzählen die Zahlen die richtige Geschichte.